Sport : Alpine Ski-WM: Der Volksheld gibt sich bescheiden

Heute geht bei den Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Anton die Königsdisziplin Abfahrt über die Bühne. Und der erklärte Favorit, der Österreicher Hermann Maier, versucht die Erwartungen zu dämpfen. "Ich kann mit Niederlagen leben und habe gelernt, mit ihnen umzugehen", beteuert der 28-jährige Flachauer vor dem Rennen am Sonnabend (12 Uhr). Das ist seine Reaktion auf die öffentliche Kritik auf sein Verhalten nach dem Super-G. Dort hatte Maier unverhohlen seine Freude darüber gezeigt, dass der Amerikaner Daron Rahlves seinem Teamkollegen Stephan Eberharter noch den Sieg weggeschnappt hatte. Maier war Dritter geworden.

Aber nach dem letzten Training sorgt auch ein Deutscher für Gesprächsstoff. Florian Eckert kam nur 34 Hundertstelsekunden hinter Rahlves und 22 Hundertstel hinter Maier ins Ziel und nährte als Dritter die Hoffnung auf ein Wunder nach Markus Wasmaier. "Er kann unter die besten Zehn fahren", bestätigte Trainer Hans Flatscher.

Doch Österreich schaut vor allem auf die eigenen Schützlinge. Vor zwei Jahren in Vail hatte Maier in einer Fahrt mit höchstem Risiko vor dem Norweger Lasse Kjus gewonnen. Auch deshalb werden heute 45 000 Menschen an der "Karl-Schranz"-Piste erwartet. Dazu soll ein Millionen-Publikum am Fernseher ein rot-weiß-rotes Festival erleben. Der österreichische Fernsehsender ORF hofft, den heimischen Einschaltrekord für ein Ski-Rennen von 2,3 Millionen Zuschauern zu übertreffen. Diese Hoffnungen hängen eng mit der Popularität des gelernten Maurers und Ski-Superstars Maier zusammen. Zum Auftreten des Doppel-Weltmeisters gehört es neuerdings, dass er nicht mehr nur Gold als Ziel ausgibt: "Es stört mich nicht, dass ich keine drei Goldmedaillen in St. Anton gewinnen kann."

Vor allem die Rivalität mit seinem Team-Gefährten Eberharter heizt die Spannung im Rennen um die WM-Krone an. Dem 31-jährigen Eberharter gehören viele Sympathien der Landsleute. Der Ski-Lehrer aus Zell, schon vor zehn Jahren Doppel-Weltmeister, präsentiert sich im Gegensatz zu Maier als weltgewandt und spricht von seiner großen Stunde am Sonnabend.

Die drei weiteren Starter Österreichs, Fritz Strobl, Hannes Trinkl und Werner Franz sowie die anderen Fahrer sind mehr oder weniger nur Beiwerk, könnten aber die Vergabe des WM-Titels empfindlich stören. Lasse Kjus könnte wegen seiner Erkrankungen am Ende die Kraft fehlen, um ganz vorne zu landen. Viele haben Daron Rahlves auf der Rechnung, der sich nach seinem Überraschungscoup im Super-G zum Mitfavoriten ernannt hat. Der Italiener Kristian Ghedina kommt nicht mit der Strecke zurecht und knallte am Donnerstag in die Fangzäune.

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