Sport : Alpine Ski-WM: Eine Goldmedaille krönt das Comeback

Benedikt Voigt

Sie riss die Skier in die Höhe, stieß Jubelschreie in den Nachthimmel und konnte ihr Glück kaum fassen: Mit Gold in der Kombination ist Martina Ertl bei der alpinen Ski-WM ein sensationelles Comeback gelungen. Die 27 Jahre alte Lenggrieserin nutzte in einem eher niveauarmen Wettbewerb die Gunst der Stunde und gewann nach einer Verletzungspause von 34 Tagen das erste Gold ihrer Karriere nach zweimal Olympia-Silber und zweimal WM-Bronze.

Für den Deutschen Skiverband (DSV) ist es der erste Titel seit 1993 und bei dieser WM bereits die zweite Medaille: Am Montag war im Super-G zunächst Ertls Vereinskollegin Hilde Gerg ebenfalls völlig unerwartet zu Bronze gefahren. Deutschland führt nun die Medaillenwertung nach drei Wettbewerben an. "Für mich ist das ein Märchen. Es ist unglaublich, ich kann gar nichts sagen", sagte Ertl (2:55,56 Minuten), die überlegen vor der Österreicherin Christine Sponring (2:58,23) und Karen Putzer aus Italien (2:58,69) gewann.

Allerdings profitierte sie beim ersten großen Triumph ihrer Laufbahn von den Ausfällen zahlreicher Mit-Favoritinnen, denn im Finaldurchgang schieden nach Ertls Parforce-Ritt die beiden Führenden im Zwischenklassement aus: erst die US-Amerikanerin Caroline Lalive, danach die Österreicherin Renate Götschl.

Die große Favoritin Janica Kostelic aus Kroatien war auf dem Weg zum programmierten Gold bereits nach acht Sekunden im ersten Lauf des Slaloms gescheitert. Die 19-Jährige hatte zuvor alle sieben Weltcup-Slaloms in dieser Saison gewonnen und war zuletzt im Dezember 1998 in einem Slalom ausgeschieden. "Es ist gut, dass es in der Kombination passiert ist und nicht im Spezial-Slalom nächste Woche", sagte Kostelic gelassen. "Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist, aber weinen werde ich deswegen nicht."

Martina Ertl kamen diese Missgeschicke mehr als gelegen - sie verhalfen ihr zur ersten WM-Medaille seit fünf Jahren. Nach der Abfahrt hatte sie zwar nur hinter Götschl und Kostelic gelegen, war dann aber schon im ersten Lauf des Slaloms von Lalive überholt worden. Nach einem sehr wackeligen ersten Lauf setzte sie getreu ihrem alten Motto "No risk, no fun" aber alles auf eine Karte und die Konkurrentinnen zugleich unter enormen Druck.

Ebenfalls glänzend verkaufte sich auch Petra Haltmayr (Rettenberg), die nach einem gleichfalls furiosen zweiten Durchgang Rang fünf belegte (2:59,79). Sibylle Brauner (Aising-Pang) dagegen war bereits in der Abfahrt ausgeschieden.

Zweiter Frauen-Wettbewerb, zwei Medaillen, Platz eins in der Medaillenwertung: Die vagen Hoffnungen des DSV auf eine WM-Medaille sind schon nach drei von zehn WM-Rennen übererfüllt. Den zuvor letzten WM-Titel hatte 1993 in Morioka die Starnbergerin Miriam Vogt ebenfalls in der Kombination gewonnen.

Die Goldmedaille für Ertl kam ähnlich unerwartet wie Bronze für Gerg. Am 30. Dezember 2000 hatte sich die 27-Jährige bei einem Sturz im Weltcup-Slalom am Semmering schwer am rechten Knie verletzt: Innenbandeinriss und Schienbeinkopf-Stauchung. Verbissen arbeitete Ertl jedoch an ihrem Comeback. Die Rehabilitation verlief so gut. Am Sonntag hatte sie sich entschieden, es bei der Ski-WM schon in der Kombination zu versuchen.

Für Ertl war es die fünfte Medaille ihrer Karriere - sie war ähnlich überraschend wie ihre erste: Bei der WM 1993 in Morioka war sie mit einem waghalsigen zweiten Lauf zu Bronze im Riesenslalom gerast, ein Parforce-Ritt, der sich bei der WM 1996 in der Sierra Nevada in der selben Disziplin und mit dem selben Resultat wiederholte. Auch bei Olympia war sie zweimal erfolgreich: 1994 in Nagano gewann Ertl im Riesenslalom sogar Silber, ebenfalls Zweite wurde sie 1998 in der Kombination beim historischen Dreifach-Erfolg mit Katja Seizinger und Hilde Gerg.

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