Alpinskifahrer : Schuss und Schluss in Kitzbühel

Skirennfahrer Stephan Keppler qualifiziert sich für Olympia – Andreas Strodl bietet sich dazu heute die letzte Chance.

Jörg Köhle[Kitzbühel]

Letzte Ausfahrt Kitzbühel. Das galt zumindest für die deutschen Alpinskifahrer. Am Hahnenkamm bietet sich den Männern des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) die letzte Chance, den Slalom-Spezialisten Felix Neureuther zu den Olympischen Spielen nach Vancouver zu begleiten. Stephan Keppler hat sie gestern im Super-G genutzt – auch für ihn selbst ein wenig überraschend, weil er eher in der Abfahrt am Samstag (11.30 Uhr/ live ARD und Eurosport) damit gerechnet hatte. Mit Startnummer 46 bretterte er beim Sieg des Schweizers Didier Cuche noch auf Rang 14 und schaffte somit den noch nötigen zweiten Teil der Normvorgabe. Die sieht für die Qualifikation für Vancouver einmal ein Top-8- oder zwei Mal eine Top-15-Platzierung vor. „Wahnsinn, Wahnsinn“, rief der 26-jährige Keppler, „seit 20 Jahren träume ich von Olympia.“

Nach einem bislang wieder eher missglückten Winter war dieser 14. Platz tatsächlich so etwas wie eine Sternstunde für die deutschen Schussfahrer. So bleibt den Männern eine Schmach erspart wie bei Olympia in Turin vor vier Jahren, als nach den Rücktritten von Max Rauffer und Florian Eckert die Abfahrt gänzlich ohne deutsche Beteiligung stattfand. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier zeigte sich gestern sichtlich erleichtert und würdigte Kepplers Leistung als „mehr als anerkennenswert“. Schließlich sei Keppler der erste Abfahrer seit 1994, der sich nach offiziellen Kriterien für Olympia qualifizierte.

Vor knapp einem Jahr hatte der Allgäuer Karl-Heinz Waibel sein Amt als neuer Cheftrainer und -motivator angetreten mit dem ambitionierten Ziel, bei seinen Männern das „Rennfahrer-Gen herauszukitzeln“ und neben Neureuther gleich zwei Schnellfahrer nach Vancouver zu treiben. Einer hat es nun geschafft, was aber nicht über eine magere Bilanz hinwegtäuschen darf. Mit zusammengerechnet 166 Weltcup-Punkten liegen die Deutschen in der Nationenwertung des Herren-Weltcups, die wie fast immer Österreich anführt (3182 Punkte), an zwölfter Stelle, noch hinter Slowenien und Liechtenstein. Zum Vergleich: Maria Riesch kommt bei den Frauen alleine schon auf 938 Zähler. Was nutzt es Waibel auch, Gene zu kitzeln, wenn der Skischuh nicht passt, wie bei Keppler, oder andere in den Krankenstand stürzen wie Tobias Stechert (Kreuzbandriss) oder Peter Strodl (Innenbandverletzung). Strodls jüngerer Bruder Andreas schied gestern aus – er nimmt heute in der Spezialabfahrt einen neuen Anlauf.

Vom Qualifikationsdruck befreit, könnte da auch Keppler ordentlich nachlegen. Nach Monaten der Verzweiflung hatte er seine Materialabstimmung in den Griff bekommen und mit einem 13. Rang in Bormio nach Weihnachten den ersten Teil der Olympia-Norm eingefahren. Eher per Zufall habe man den Skischuh ausgetauscht, plötzlich lief der Ski wieder flotter. „Wenn bei einem Formel-1-Auto das Setup nicht stimmt, ist auch ein Schumi nicht schnell“, erklärt er.

Vor drei Jahren hatte Keppler mit zwei achten Plätzen schon die Hoffnung geweckt, da könne wenigstens ein alpiner Mini-Schumacher heranwachsen. Kepplers Entwicklung stagnierte, doch nun ist er wieder in Schuss gekommen. Und kündigt für Samstag einen Lauf am Limit an. Die Strecke in Kitzbühel sei „sensationell beieinander“, findet er, „so einfach habe ich sie bisher nicht erlebt. Man kann auch mit Fehlern schnell sein und auf dem Hintern daherkommen, das schadet nichts.“ Noch besser wäre ohne Fehler und nur auf Skiern. So wie gestern.

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