Sport : Als es noch rund lief

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Norbert Thomma über die Radtour

des Rudolf Scharping

Der Volksmund hat nicht immer Recht. Der Volksmund sagt beispielsweise, es gäbe keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. Rudolf Scharping aber hat… ach, der Herr von der Hardthöhe. Erinnert sich noch jemand an diese Scharping-Frage: „Wer hat die Straße an die Wand genagelt?“ Sie purzelte dem Sozialdemokraten durch den Kopf, als er vor Jahren die Tour de France besuchte. Zur Verteidigung des Ex-Ministers lässt sich anführen, dass er zuvor beim Radeln schon mehrfach auf den Kopf gefallen ist. Nun war er „Bild"-Kolumnist geworden und begleitete das von der Telekom gesponserte Team.

Es läuft derzeit nicht sehr gut für das aktive Personal von damals. Jan Ullrich – abgetaucht. Ron Sommer – zurückgetreten. Rudolf Scharping – weg. Es gibt da eine Episode aus jenem Jahr 1997, die die heutigen Ereignisse gleichsam symbolisch vorwegnahm: Die Spitzenfahrer von Telekom hatten ernste Probleme, und Udo Bölts nahm Funkkontakt auf mit dem Auto von Walter Godefroot, dem Sportlichen Rennleiter; der hatte gerade den Wagen verlassen, und stattdessen nahm Scharping den Hörer ab und war – „hilflos“ (FAZ).

Keine gute Werbung für die Telekom. Ein Kommunikationsunternehmen mit Kommunikationsstörungen. Keine gute Werbung für Scharping. Die Wähler wollen Politiker, die Probleme auch lösen können. Dass Jan Ullrich diese Tour gewann, war ein strategischer Unfall; Bjarne Riis war als Sieger vorgesehen. Und Scharping sinnierte über das „Geheimnis des runden Tritts". Und wie es danach plötzlich rund lief! Ullrich wurde ein Volksheld. Sommer der Aktienkönig.

Scharping ein Feldherr.

Nun hat sie’s geputzt, die drei, kurz hintereinander. Irgendwie hat der Radsport eine schlechte Aura. Neuer Verteidigungsminister ist Peter Struck. Der fährt Motorrad. Keine Ahnung, was das nun wieder bedeutet.

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