Sport : Als Gott ein Teufel wurde

Englands Stürmerstar Rooney geht nach Manchester

Raphael Honigstein

London – Wie es sich für den umsatzstärksten Verein der Welt gehört, wurde zuerst die Londoner Aktienbörse informiert: „Manchester United hat mit Everton eine prinzipielle Einigung über den Transfer von Wayne Rooney erzielt“, hieß es gestern Mittag. Zu dem Zeitpunkt war Englands 18-jähriger Stürmerstar schon längst in Old Trafford, um sich den medizinischen Untersuchungen zu unterziehen. Heute Nachmittag wird er von Trainer Alex Ferguson offiziell vorgestellt werden. Etwa 37 Millionen Euro kostet United der Deal. Der Wechsel nach Manchester ist mehr als die Flucht aus dem „Goldfischglas Liverpool“, wie Rooney ihn bezeichnet: Es ist der spektakulärste, von langer Hand geplante Transfer dieses Sommers – und die Hintergründe sind faszinierend.

Angefangen hatte alles bei Patrick Vieira. Real Madrid wollte Arsenal Londons Kapitän im Juli verpflichten, doch der Franzose hatte zu hohe Gehaltsvorstellungen. Der spanische Rekordmeister holte deswegen für 21 Millionen Euro den englischen Nationalverteidiger Jonathan Woodgate von Newcastle United. Das verdiente Geld wollte Newcastle sofort reinvestieren und bot Everton 30 Millionen für Rooney. Doch der bevorzugte ganz offensichtlich Manchester. Obwohl Alex Ferguson sein Transferbudget für diese Saison eigentlich schon ausgeschöpft hatte, konnte er sich diese Einladung nicht entgehen lassen. Newcastle und Manchester überboten sich fast täglich.

Everton konnte sich der Dynamik nicht entziehen. Trainer David Moyes, der Rooney bis zuletzt halten wollte, hat die Mechanismen durchschaut: „Bis vor ein paar Wochen dachte ich, dass Wayne bei Everton bleibt. Aber dann ging Woodgate zu Real Madrid. Die Situation wäre sonst gar nicht entstanden.“ Bis auf den Trainer sind jetzt fast alle Beteiligten glücklich.

Manchester hat durch diesen Transfer seinen nach dem Abgang von David Beckham etwas verblassten Mythos wieder aufpoliert, Everton den höchsten Preis erzielt. Und Rooney spielt ab sofort bei seinem Traumverein in der Champions League – für das vierfache Gehalt. Knapp vier Millionen Euro verdient er jetzt im Jahr.

Nur die Everton-Fans werden dem Jungen aus dem Arbeiterviertel Croxteth den Wechsel zu den Red Devils aus Manchester nicht so schnell verzeihen. „Steht auf, wenn ihr Rooney hasst“, schrien die Fans am Samstag im Goodison Park und: „Du gieriger Bastard!“ An der Stadionmauer stand am Montag: „Er hätte ein Gott sein können, aber er entschied sich, ein Teufel zu sein.“

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