Als Nachwuchsreporter bei Hertha : Das war aufregend!

Wie arbeiten die Tagesspiegel-Reporter beim Fußballspiel? Unser 16 Jahre alter Schülerpraktikant hat bei Herthas jüngstem Heimspiel den Kollegen mal auf die Finger geschaut.

Hanno Menke
Weit weg. Als Hertha-Reporter sitzt man im Oberrang. Foto: Jensen/dpa
Weit weg. Als Hertha-Reporter sitzt man im Oberrang.Foto: Jensen/dpa

Das war schon ein ganz besonderer Tag für mich, ich war zwar schon öfter bei Hertha BSC, aber nun konnte ich das Spiel mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Ich war natürlich gespannt, nachdem mich der Kollege Christoph Dach gefragt hatte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und dem weiteren Kollegen Michael Rosentritt zum nächsten Hertha-Heimspiel zu gehen. Am 4. Februar war es dann endlich soweit, Hertha spielte gegen den FC Ingolstadt. Und ich sollte mittenmang sein, wie der Berliner sagt – auf der Pressetribüne.

Als wir dann anderthalb Stunden vor Spielbeginn im Olympiastadion ankamen, waren die ersten Fans schon lange da. Nachdem wir die erste Ordnerkontrolle passiert hatten - an der unter anderem der Laptop, den wir dabei hatten gekennzeichnet wurde, allerdings erst nachdem er angemacht worden war und so festgestellt werden konnte, dass er nicht explodiert. Anschließend sind wir zum Presseraum und zur Pressetribüne gegangen und mussten auch dort nochmals unsere Eintrittskarten vorzeigen und bekamen unsere Pressebänder, mit denen wir uns dort frei bewegen konnten.

Im Presseraum konnten wir etwas trinken, essen und den Spielberichtsbogen lesen auf dem die Aufstellungen und die Ersatzspieler zu sehen waren. Die Hertha spielte gegen den FC Ingolstadt. Ich hatte die Hoffnung, dass es ein tolles Bundesligaspiel werden könnte. Schließlich musste die Hertha nach mehreren eher schwachen Spielen gewinnen, aber auch die Ingolstädter konnten die Punkte im Abstiegskampf sehr gut gebrauchen.

Nun gingen wir zu unseren Sitzplätzen, ganz oben im Oberrang. Ganz schön weit weg vom Spielfeld. Aber von dort hatten wir einen sehr guten Blick auf den Platz und ich konnte erstmals das Spielgeschehen von einem Bürostuhl und einem Tisch aus betrachten. Zudem war es sehr praktisch, dass auf dem Tisch noch ein Bildschirm stand auf dem man das Spiel live verfolgen konnte, durch die kleine Zeitspanne zwischen dem Fernseher und dem aktuellen Spielgeschehen konnte man sich so strittige Szenen einfach nochmals angucken.

Ich habe mich außerdem immer gefragt, woher die live Bilder kommen auf denen man das Spiel schräg von oben im Fernsehen verfolgt. Jetzt weiß ich es: von der Pressetribüne. Als wir dann saßen, bekamen wir nun gerade noch mit, wie die Ostkurve Frank Zander zu seinem 75. Geburtstag ein kleines Ständchen sang. Von ihm stammt die Hertha-Hymne „Nur nach Hause“. Kurz darauf liefen die Spieler auch schon ein, die Zander-Hertha-Hymne ertönte und die Hertha-Anhänger hielten ihre Schals hoch und sangen mit und trotz der relativ wenigen Zuschauer – 33.000 waren es am Samstagnachmittag - schaffte es die Ostkurve eine gute Atmosphäre zu verbreiten.

Nun ging es los, ich hatte mich noch gar nicht richtig aufs Spiel konzentriert, da stand  es auch schon eins zu null. In der ersten Minute kämpfte sich Salomon Kalou auf der linken Angriffsseite durch und legte den Ball quer in den Strafraum, sodass Genki Haraguchi nach 60 Sekunden sein erstes Bundesligator in dieser Saison erzielen konnte. Nun ließen die Fans in der Ostkurve ihrer Freude freien Lauf und die Tor-Hymne ertönte aus den Lautsprechern.  

Diese erste Minute ließ mich auf ein gutes Spiel mit vielen Torraumszenen seitens der Berliner hoffen, doch was danach geschah ließ sich nicht einmal annähernd so beschreiben. Nach dem Treffer gab es für die Zuschauer nicht mehr viel zu sehen, es gab zwar auch in den folgenden Spielminuten Torraumszenen, doch eine 100 prozentige Torchance konnten sich beide Mannschaften in der ersten Hälfte nicht mehr erarbeiten. Hertha schaffte es noch nicht einmal einen weiteren Torschuss auf das Tor der Gäste abzugeben. Noch hatte ich Hoffnung, dass sich das Spiel im zweiten Durchgang bessern würde, doch auch dort passierte nicht sonderlich viel.

Schon in den Schlussminuten eilte einer der beiden Redakteure vom Tagesspiegel  in die Mixed-Zone, um schon die ersten Stimmen der Spieler zu bekommen. Dann ließ ein Konter in der Nachspielzeit mich doch noch auf ein Tor der Berliner hoffen, doch wieder vergab Alexander Esswein, diesmal freistehend vor dem Tor der Gäste.

Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter das Spiel auch schon ab, es war wirklich kein Vergnügen, sich dieses bei diesen Temperaturen anzugucken, doch immerhin hat Hertha gewonnen und ich konnte anschließend noch zu der Pressekonferenz der beiden Trainer gehen, die im Warmen stattfand.

Für mich war das eine spannende Erfahrung

Während die Spieler sich noch im Mittelkreis abklatschten und der Ostkurve für ihre Unterstützung dankten, schickte Tagesspiegel-Reporter Christoph Dach seinen bereits während des Spiels seinen geschriebenen Artikel an die Redaktion und dann mussten wir auch schon los. Dazu ging es erst über die Pressetreppe, an deren Eingang wir nochmals unsere Eintrittskarten und Pressebänder vorzeigen mussten, in die Katakomben und auch dort mussten wir noch einige Kontrollen passieren bis wir dann in dem Raum waren, in dem die Pressekonferenzen abgehalten werden.

Zufrieden. Herthas Trainer Pal Dardai auf der Pressekonferenz. Foto: Jensen/dpa
Zufrieden. Herthas Trainer Pal Dardai auf der Pressekonferenz.Foto: Jensen/dpa

Dort mussten wir noch ein wenig warten und so unterhielten wir uns noch mit anderen Journalisten, bis die Trainer und der Pressesprecher endlich da waren. Nun schätzten die Trainer das Spiel ein und anschließend beantworteten sie die Fragen der Journalisten. Pal Dardai sagte unter anderem, er sei mit dem Sieg seiner Mannschaft zufrieden und er lobte seine Spieler für ihre kämpferische Leistung und die gute Verteidigung. Zudem betonte er, dass man das bevorzugte Spiel der Berliner bei so schlechten Platzverhältnissen nicht spielen könne.

Für mich war das alles eine spannende Erfahrung. Ob ich unbedingt später mal Sportreporter werden möchte, weiß ich noch nicht. Aber zumindest ist es nun eine Option. Das ist schon ein aufregender Beruf.

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