Sport : Als Praktikant in der Champions League

Heute gegen Spartak Moskau versucht Mark van Bommel, beim FC Bayern Anschluss zu finden

Daniel Pontzen[München]

Der russische Reporter mit dem schlabbrigen Hemd und der Halbglatze fand das gar nicht komisch. Welche Erfahrungen er schon mit russischen Fußballern gemacht habe, wollte er von Mark van Bommel wissen. Mit zweien habe er in Eindhoven zusammengespielt, hatte Bayern Münchens niederländischer Neuzugang höflich geantwortet, von ihnen könne er nur Positives berichten. „Außerdem“, fiel ihm dann ein, „haben wir zweimal gegen Dynamo Kiew gespielt.“

„Das ist Ukraine, nicht Russland“, knurrte der Reporter zurück. „Aber früher“, versuchte van Bommel zu entgegnen, die umstehenden Journalisten lächelten verständnisvoll. Der russische Reporter lächelte nicht. „Sie kennen sich aber gut in Geschichte aus“, sagte er. Er war wenig amüsiert.

Beim FC Bayern gehen sie in diesen Tagen nachsichtiger mit van Bommel um. Nach dessen Einschätzung hatte das Zusammenspiel mit seinen neuen Kollegen beim Debüt in der ersten Runde des DFB-Pokals bei St. Pauli „manchmal gut und manchmal nicht so gut geklappt“, es habe „noch etwas die Abstimmung gefehlt“. In der Tat hatte van Bommel, der im Laufe des Spiels drei verschiedene Positionen im Mittelfeld bekleiden musste, auf seinen Streifzügen durch die Münchner Zentrale häufig gewirkt wie ein Praktikant, der ab und an höflich die Kollegen unterstützt, ohne sich zu trauen, selbstständig aktiv zu werden.

Trainer Felix Magath brachte für die mäßige Premiere seines neuen Schützlings Verständnis auf, zumal viele der neuen Spielkameraden zwecks Wahrnehmung nationaler Aufgaben vergangene Woche beim Training gefehlt hatten. „Van Bommel hat am meisten darunter gelitten, dass er kaum mit der gesamten Mannschaft trainieren konnte“ , sagte Magath vor der gestrigen Übungseinheit, „er muss noch herausfinden, wie sich die Mitspieler bewegen. Danach wird er bei uns auch die Klasse einbringen können, die er hat.“ Gegen Spartak Moskau werde er sicher weiterhelfen, sagte Magath, also heute (20.45 Uhr, live im DSF). Der Spieler selbst ist ebenfalls optimistisch, bald zu höchster Leistungsstärke zurückzufinden. Was ihm fehle, sei Spielpraxis, in Barcelona hatte er vor seinem Wechsel ausschließlich trainiert. Geduld ist also das Gebot der Stunde bei den Münchner Fans – neben jener neuen Demut, die die Bayern-Führung als zentrales Motiv ihrer diesjährigen Champions-League-Kampagne ausgerufen hat: Nicht der Titel, sondern das Überstehen der Vorrunde ist erklärtes Ziel.

Inwieweit sich van Bommels Landsmann Roy Makaay an dessen Erreichen beteiligen darf, ist fraglich. Er habe ihn immer wieder aufgefordert, sich aktiver am Spiel zu beteiligen, nörgelte Magath, „insofern war es schon enttäuschend, dass er gegen St. Pauli erneut kaum nennenswerte Aktionen hatte“. Beste Aussichten auf seinen ersten Einsatz von Anfang an hat auch deswegen Lukas Podolski. Nach dessen maßgeblicher Beihilfe zum Sieg gegen St. Pauli findet inzwischen selbst Magath Gefallen an der Idee, den Nationalstürmer von Anfang an aufzustellen. „Für ihn spricht, dass er zurzeit eine sehr gute Trefferquote hat.“

Podolski könnte statt Makaay starten, was aus Sicht des Niederländers eine taktlose Maßnahme sein muss. Nach starkem Saisonstart hatte er seinen neuen Kollegen aufgemuntert: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Poldi in der Mannschaft ist.“ An seiner Seite, so hatte er das gemeint.

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