Als Trainer von Novak Djokovic : Boris Becker nur noch in der Nebenrolle

Weil Boris Becker sich in seinem Traineramt betont im Hintergrund hält, ist sein Anteil an Novak Djokovics Erfolg umstritten. Das Training des Serben leitet mittlerweile wieder Djokovics alter Coach Marian Vajda.

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Im Training lässt Boris Becker (Mitte) Djokovics anderem Coach Vajda das Kommando.
Im Training lässt Boris Becker (Mitte) Djokovics anderem Coach Vajda das Kommando.Foto: dpa

Ganz rund läuft Boris Becker immer noch nicht. Gut zweieinhalb Monate nach seiner Hüftoperation ist der dreimalige Wimbledonsieger immer noch weit weg von einem ersten echten Trainingsmatch mit seinem Schützling Novak Djokovic. Doch ein paar Schläge habe er schon mit ihm gemacht, sagt Becker, „mit meiner Reha bin ich eigentlich weiter, als ich dachte“. Vielleicht liegt es an den körperlichen Nachwehen des Eingriffes, dass Becker in Roland Garros nicht ganz so präsent auf dem Trainingsplatz wirkt wie noch bei den Australian Open in Melbourne zu Jahresbeginn.

Und vielleicht liegt es an der inzwischen doch ständigen Anwesenheit von Marian Vajda, dass immer mehr Zweifel aufkommen, ob Becker im Team des Serben tatsächlich die Hauptrolle spielt. Djokovic ist die Nummer zwei der Welt, hat zuletzt im Finale von Rom Rafael Nadal klar beherrscht und sich bei den French Open bis zum Halbfinale am Freitag gegen Ernests Gulbis in herausragender Form gezeigt. Der Serbe spielt in den vergangenen Wochen wieder stärker, hat einige Änderungen an seiner Spielweise vorgenommen – und doch fällt es schwer, Beckers Anteil an diesem positiven Trend genau auszumachen.

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Der 46-Jährige ist ein wenig unter Zugzwang geraten, zumindest für die Öffentlichkeit. Denn da er bei Djokovics ersten beiden Saisontiteln, bei den Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami, nicht anwesend war, konnte Becker auch keine Pluspunkte sammeln. Stattdessen wurde Vajda von Djokovic nach den beiden großen Siegen innig umarmt und so verfestigte sich der Eindruck, dass der Langzeitcoach des 27 Jahre alten Serben auch weiterhin das Kommando habe.

Bei den Pariser Übungseinheiten zumindest stand Vajda im Mittelpunkt, Becker beobachtete meist mehr vom Spielfeldrand aus. In Melbourne gab Becker noch die Anweisungen auf dem Trainingsplatz. Vajda sollte eigentlich in dieser Saison die Nebenrolle im Trainerstab übernehmen, das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Djokovic kann und will auf seinen Vertrauten nicht verzichten. „Ich kann trotzdem meine Leistung als Trainer abliefern, auch wenn ich nicht immer vor Ort bin“, verteidigte sich Becker.

Dass der Titel in Rom als sein erster gemeinsamer mit Djokovic gesehen wird, verärgert ihn. Es sei von Anfang an so geplant gewesen, dass er nicht bei jedem Turnier dabei sei. Trotzdem habe man Trainingspläne erarbeitet und „die Art zu trainieren, zu denken, sich auf dem Platz zu positionieren, die trägt langsam Früchte“, sagte Becker. Er spricht viel vom „homogenen Team“ und vom „wir“ und ihrem „gemeinsamen Weg“. Immer wieder betont Becker, dass es nicht um ihn, sondern nur um Djokovic gehe. Große Worte seien überflüssig: „Wir wissen, was wir aneinander haben.“

Dass einer, der sonst für jede Schlagzeile gut war, nun so ruhig und zurückgenommen daher kommt, trägt vielleicht dazu bei, dass sein Beitrag an Djokovics Erfolg zu wenig sichtbar ist. Becker war immer Hauptdarsteller, nie einer für den Hintergrund. Doch genau das verlangt Djokovic von ihm. Er will mit Becker reden, von dessen Erfahrung profitieren. Er soll ihm helfen, mit dem Druck umzugehen, diese French Open so unbedingt gewinnen zu wollen und dabei nicht zu verkrampfen wie vor einem Jahr noch. „Das gehört zu meinem Aufgabenbereich“, erklärte Becker, „und ich hoffe, ich kann ihm etwas Druck nehmen.“

Am Freitag wartet mit Gulbis der erste Härtetest. Der 25-jährige Lette wuchs mit Djokovic quasi in der Münchner Akademie von Niki Pilic auf und trainiert nun mit Beckers Ex-Coach Günter Bresnik. Dieser hatte dem schlampigen Genie Gulbis endlich Disziplin beigebracht. „Es freut mich sehr für Günter“, sagte Becker von Kollege zu Kollege, „dass er mit einem so schwierigen Spieler Erfolg hat.“ Und vielleicht ist es eben Beckers Pech, dass er einen Spieler betreut, der schon ohne ihn der Beste gewesen ist.

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