Alsonso : Rückkehr im Regen

Weltmeister Alonso gewinnt das chaotische Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Sein Rivale im eigenen Team wird Hamilton nur Neunter.

Christian Hönicke[Nürburgring]
Formel 1
Wetterfest. Der Spanier Fernando Alonso gewann das Regenrennen auf dem Nürburgring. -Foto: dpa

Es überraschte nicht mehr, dass am Ende eines bizarren Nachmittags auch noch Michael Schumacher auf dem Siegerpodest des Nürburgrings auftauchte. Der Rekordweltmeister der Formel 1 übergab den Siegerpokal an McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis, dessen Fahrer Fernando Alonso soeben ein turbulentes Rennen mit Sensationsführenden, Abbrüchen und Kollisionen vor Felipe Massa im Ferrari und Red-Bull-Fahrer Mark Webber gewonnen hatte. „Dieser Sieg war extrem wichtig für mich in der WM“, sagte Alonso. „Eigentlich wäre ich sogar mit Platz zwei zufrieden gewesen, denn Lewis Hamilton hat keine Punkte geholt und Kimi Räikkönen auch nicht.“ Räikkönen im anderen Ferrari schied nach zwei Siegen in Folge bei teilweise chaotischen Wetterverhältnissen wegen eines Hydraulikdefekts vorzeitig aus.

Auch Hamilton tauchte nicht auf dem Podest auf. Der 22-Jährige verpasste seine angestrebte zehnte Teilnahme an der Siegerehrung in Folge und musste registrieren, dass seine WM-Führung vor dem Teamkollegen Alonso von zwölf auf zwei Zähler schmolz. Der neue Star der Formel 1 war bereits von einer Grippe gepeinigt an den Nürburgring gereist, und hätte er gewusst, was ihn danach noch erwarten würde, wäre er wahrscheinlich lieber im Bett geblieben und hätte sich den Großen Preis von Europa mit einer großen Tasse Kamillentee am Bildschirm angeschaut. Nach einem schweren Crash, einem Krankenhausaufenthalt, diversen Ausflügen im Rennen ins Kiesbett und einem platten Reifen wurde er punkteloser Neunter. „Das Wochenende war eine neue Erfahrung für mich“, sagte Hamilton.

Der McLaren-Pilot hatte nur als Zehnter ins Rennen gehen können, nachdem er am Samstag wegen eines nicht korrekt befestigten Vorderrads mit Tempo 120 in die Reifenstapel der neuen Schumacher-S-Kurve eingeschlagen war. Erst am Sonntagmorgen bekam er von den Rennärzten die Starterlaubnis, doch kaum zurück im Auto, machte Hamilton schon wieder unliebsame Bekanntschaft mit der Streckenbegrenzung. Der pünktlich zum Rennbeginn einsetzende Prasselregen ließ nicht nur den bis dahin führenden Räikkönen an der Boxeneinfahrt vorbeischlittern. Auch Hamilton rutschte von der Strecke, touchierte die Reifenstapel aber diesmal nur. Weil ein Kran den Wagen des 22-Jährigen aus dem Kies hob, konnte er nach dem folgenden Rennabbruch wegen des Wetters immerhin als Letzter weiterfahren. Hamilton bedankte sich bei den Streckenposten, doch nützte ihm der Pannendienst nichts mehr. Er zeigte auf der abtrocknenden Strecke nach einem weiteren Umweg durchs Kiesbett eine gut gemeinte Aufholjagd, das Spitzenduo Massa und Alonso aber war längst enteilt.

Fünf Runden vor Schluss überholte der Weltmeister den mit Reifenvibrationen kämpfenden Massa unter Einbeziehung einer Kollision. „Der Regen am Ende hat mir natürlich sehr geholfen“, sagte Alonso. „Ich wusste, dass ich noch fünf, sechs Runden habe, um ihn zu überholen.“ Der Höhepunkt eines knapp zweistündigen Spektakels sorgte später für einen regen Meinungsaustausch zwischen den beiden Parteien. „Ich habe Felipe Massa nur gesagt, dass ich das Rennen deswegen beinahe nicht hätte beenden können“, sagte Alonso. Er muss diese Beschwerde auf ziemlich unziemliche Weise vorgetragen haben („Ich habe ein wenig die Nerven verloren“), weswegen auch Massa aufgebracht war. „Aber Fernando Alonso hat sich inzwischen entschuldigt und damit ist die Sache erledigt“, sagte Massa. Norbert Haug aber fand, dass eine Entschuldigung auch Massa gut zu Gesicht gestanden hätte. Alonso sei im Regen deutlich schneller gewesen, sagte der Mercedes-Motorsportchef, „und irgendwann ist dann auch Game Over“.

Für fast alle deutschen Piloten war früh Game Over beim einzigen Heimspiel in diesem Jahr. Nico Rosberg im Williams drehte sich ebenso ins Aus wie Spyker-Pilot Adrian Sutil. Nick Heidfeld rammte mit seinem BMW nach gutem Startplatz erst seinen Teamkollegen Robert Kubica und dann Landsmann Ralf Schumacher im Toyota von der Strecke, wurde aber immerhin Sechster. An beiden Unfällen wähnte er sich unschuldig. „Erst hat mich Robert in den Dreck geschickt, später hat Ralf reingezogen und ich konnte die Kollision nicht mehr vermeiden“, sagte er. Nur Neuling Markus Winkelhock war trotz seines Ausfalls so richtig glücklich, aber das ist eine andere Geschichte (siehe nebenstehenden Bericht).

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