Sport : Alt, aber nicht veraltet

Warum McLaren-Mercedes für Ferrari zu einem Problem wird

Karin Sturm

Monte Carlo. Fast die Hälfte der Saison ist vorbei – und noch immer führt ein altes Auto. Nicht nur, dass Kimi Räikkönen in der Fahrer-Weltmeisterschaft vorn ist, seit dem Grand Prix von Monaco am vergangenen Sonntag liegt auch McLaren-Mercedes in der Konstrukteurs-WM wieder an der Spitze. Und das in der Hightech-Szene Formel 1, in der alle Konstrukteure nach ständigem Fortschritt gieren. McLaren-Mercedes ist davon nicht ausgenommen, sonst würde das Team nicht noch in dieser Saison mit einem komplett neuen Silberpfeil starten wollen. Vielleicht schon beim übernächsten Rennen auf dem Nürburgring. Nicht nur die Fans fragen sich, ob dann Michael Schumacher und Rubens Barrichello, denen für 2003 erneut die Favoritenrolle zugeschrieben wurde, plötzlich ohne Titelchance sein würden? Wenn doch McLaren-Mercedes auch ohne ein neues Auto schon die WM anführt …

Die Antwort darauf bleibt offen, aber der derzeit eingesetzte McLaren-Mercedes ist keinesfalls ein Jahreswagen. Das Einzige, was an ihm noch aus dem Vorjahr stammt, ist das Monocoque, die Überlebenszelle für den Fahrer aus Kohlefaser. Alles andere, wie Aerodynamik, Aufhängungen, Elektronik, wurde verbessert, und auch der Motor bekam mehr Leistung. Worauf die McLaren-Ingenieure besonders stolz sind: Sie haben es geschafft, aus einem Auto, das ursprünglich für die Charakteristik der Bridgestone-Reifen gebaut war, durch die vielen Veränderungen vor allem im Aufhängungsbereich ein echtes Michelin-Auto zu machen. Das Zusammenspiel von Auto und Reifen ist der Schlüssel zum Erfolg in der Formel 1.

Gerade darin sind Ferrari und Bridgestone wohl etwas ins Hintertreffen geraten. Der ehemalige Formel-1-Fahrer und heutige RTL-Kommentator Christian Danner spricht es unverblümt aus: „Von sieben Rennen in diesem Jahr waren fünf eindeutige Michelin-Rennen, nur Imola gehörte Bridgestone, Österreich war einigermaßen ausgeglichen. Das ist zu wenig, wenn man eine WM gewinnen will, selbst mit Ferrari und Michael Schumacher.“ In der Partnerschaft von Ferrari und Schumacher könnte das Problem liegen. Bei Bridgestone hat man sich wohl darauf verlassen, dass Ferrari und Schumacher ohnehin wieder die Weltmeisterschaft gewinnen würden. Das war ein Irrtum der Japaner.

Und dennoch musste ein neuer McLaren-Mercedes entwickelt werden. „Auch wenn wir mit unserem alten Auto noch gut aussehen, um Weltmeister zu werden, muss man Ferrari auch immer wieder aus eigener Kraft schlagen können, auf jedem Streckentyp. Nur mit dem neuen können wir dann wirklich regelmäßig um den Sieg fahren", sagt McLaren-Boss Ron Dennis. Ferrari kann nur darauf hoffen, dass die neuen Silberpfeile nicht sofort zuverlässig fahren. Dem baute Mercedes-Sportchef Norbert Haug zumindest verbal vor: „Der Neue kommt erst, wenn er mindestens so zuverlässig ist wie der Alte.“ Und der ist immer noch Spitze.

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