Alte Försterei gegen Olympiastadion : Häme hat Hertha nicht verdient

Gefühlt hat der 1. FC Union Hertha BSC in der Stadionfrage schon überholt. Doch Häme für den großen Lokalrivalen ist unangebracht, findet unser Kommentator.

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Seid nett zueinander. Foto: dpa
Seid nett zueinander.Foto: dpa

Einem geflügelten Wort zufolge ist es unmöglich, Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen. Das ist natürlich Quatsch. Man kann Äpfel und Birnen sehr wohl miteinander vergleichen; man wird dabei allerdings zu dem Ergebnis kommen, dass sich beide komplett voneinander unterscheiden. Sie schmecken nicht nur anders, sie sehen auch anders aus. Die einen sind halbwegs rund, die anderen – nun ja – birnenförmig.

So ähnlich ist das auch, wenn man die aktuelle Situation der beiden führenden Berliner Fußballklubs Hertha und Union miteinander vergleicht, die – Zufall, Zufall, Zufall – sich gerade beide mit ihrer unbefriedigenden Wohnsituation beschäftigen und beide zu der Erkenntnis gelangt sind, dass Veränderung not tut. Natürlich kann man die beiden Vereine und ihre Stadionpläne miteinander vergleichen. Man wird dabei allerdings zu dem Schluss kommen, dass es sich um Äpfel und Birnen handelt.

Insofern ist es ziemlich billig, jetzt auf der großen Hertha herumzuhacken, die ein bisschen früher mit ihren Planungen begonnen hat, ihrem lokalen Konkurrenten aber schon jetzt gefühlt hinterherhinkt, obwohl der 1. FC Union erst am Dienstagabend seinen Mitgliedern und Fans die eigenen Ideen für die neue Alte Försterei vorgestellt hat. In den sozialen Netzwerken muss sich der Klub aus dem Westen der Stadt jetzt von den Anhängern des Klubs aus dem Osten verspotten lassen. Von wegen: Seht ihr, Hertha, so wird das gemacht. Oder: Nicht reden, Hertha, einfach machen!

Wenn nicht alles täuscht, ist aber auch die Alte Försterei noch lange nicht umgebaut; dann gibt es in Köpenick ebenfalls noch ein paar offene Fragen, etwa zur Infrastruktur und zur Finanzierung des Projekts. Und ein paar Hardcore-Fans, die aus Prinzip gegen Veränderungen sind und alles so lassen wollen, wie es ist und immer schon war, wird man wie bei Hertha auch bei Union finden.

Union geht mit einer Stadionrunde Vorsprung an den Start

Davon abgesehen geht der Zweitligist mit mindestens einer Stadionrunde Vorsprung an den Start. Der Klub muss – anders als Hertha – nämlich nicht erst einen neuen Standort für sein Stadion suchen, was in einer Boomtown wie Berlin mit eingeschränktem Platzangebot eine nicht unerhebliche Schwierigkeit darstellt; Union muss auch keine Rücksicht nehmen auf den Denkmalschutz wie Hertha bei Baumaßnahmen im oder am Olympiastadion. Vor allem aber will Union ein Stadion umbauen, das sich zumindest mittelbar in eigenem Besitz befindet.

Zu Häme gegenüber Hertha BSC besteht jedenfalls kein Anlass. Dass Union schon 2020 in einem Stadion spielen wird, von dem Hertha dann noch träumt, ist Blödsinn. Ein Stadion für knapp 37.000 Zuschauer mit gerade mal 8000 Sitzplätzen ist nichts, wovon Hertha träumt. Es wäre für die eigenen Ansprüche viel zu klein. Richtig ist, dass Hertha schon jetzt in der Liga spielt, in die Union erst noch kommen muss, damit ein Stadion für 37.000 Zuschauer nicht reichlich großkotzig wäre.

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