Sport : Alte neue Spielfreude Mehmet Scholl meldet sich wieder einmal zurück

Moritz Küpper

München - Als der Regisseur ging, brandete Applaus auf. Die Menschen im Münchner Olympiastadion standen und klatschten, als Mehmet Scholl in der 63. Minute den Platz verließ. 5:0 stand es zu diesem Zeitpunkt für den FC Bayern – es war bereits der Endstand. Das Spiel gegen Borussia Dortmund war ein weiterer Beleg dafür, dass Scholl, dienstältester Bayern-Profi unter Magath eine ungeahnte Renaissance erlebt. „Mehmet ist ein genialer Spieler, dem die Spielfreude aus den Augen rauskommt“, sagt Bayerns Manager Uli Hoeneß. Wie groß seine Wertschätzung ist, erfuhr Scholl bereits in der Vorrunde nach dem Spiel gegen Mainz: Mit einer solchen Leistung müsse er zurück in die Nationalmannschaft, hieß es da. Doch Scholl, der die zahlreichen Notizblöcke und Kameras normalerweise mit Leichtigkeit umdribbelt, wiegelte ab: „Wenn die WM ist, bin ich noch einmal anderthalb Jahre älter“, sagte er, „und schneller werde ich nicht mehr.”

Zwölf Spiele hat Scholl in dieser Saison absolviert, sein Arbeitsnachweis weist dabei sechs Vorlagen und zwei Tore auf. Anfangs durfte er immer erst in der zweiten Halbzeit wirbeln, doch schon in der Winterpause prophezeite Trainer Felix Magath Scholl Einsätze von Anfang an – und eine Vertragsverlängerung. Vor zwei Wochen wurde dann Scholls Kontrakt verlängert. „Das war eine Sache von fünf Minuten“, hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge damals erzählt, „Mehmet bleibt noch ein Jahr, und dann machen wir ein großes Abschiedsspiel für ihn.“

Zwar war er auch in dieser Saison schon häufiger verletzt, brach sich das Jochbein und musste wegen Bänderdehnung pausieren. Doch es scheint so, als sei der 34 Jahre alte Scholl jetzt robuster als in den Jahren zuvor. Das bewies er auch am Sonntag gegen Dortmund, als er zwei Tore vorbereitete. Vor allem dem letzten Treffer ging eine schöne, unnachahmliche Vorarbeit voraus: Nach einem Einwurf von der rechten Seite ließ Scholl den Ball an seinem Körper vorbeispringen, um ihn mit einer schnellen Drehung und einem artistisch anmutenden Pass über die Abwehrreihen genau in den Lauf von Roy Makaay zu spielen. Es sind solche Momente, die ein Torjäger wie Makaay braucht – und wegen denen 53 000 Zuschauer aufstehen und klatschen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben