Sport : Alter Meister, neuer Meister?

Keine Probleme mit den Haien: Die Eisbären gewinnen das erste Play-off-Finale 4:2 in Köln.

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So kann’s weitergehen. Die Eisbären bejubeln ihren gelungenen Start in die Finalserie. Foto: dpa
So kann’s weitergehen. Die Eisbären bejubeln ihren gelungenen Start in die Finalserie. Foto: dpaFoto: dpa

Womöglich war es eine Mischung aus Unvermögen und Pech, die Björn Krupp hinter dem eigenen Tor ins Stolpern brachte. Aber ein Puckverlust in so einer Situation hat im Eishockey oft bittere Konsequenzen für die verteidigende Mannschaft. So war es auch am Sonntag, im ersten Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft in der Kölnarena. Der Berliner Julian Talbot schnappte sich nach Krupps Missgeschick die Scheibe und legte sie seinem Kollegen Travis Mulock auf, und der schoss das 2:1 für die Eisbären. Der Berliner Treffer kurz vor Ende des zweiten Drittels war ein Wirkungstreffer: Die Kölner Haie konnten den Eisbären ihre Führung nicht mehr abnehmen, am Ende gewannen die Berliner das erste Spiel der nach dem Modus „Best of five“ gespielten Serie 4:2 (1:0, 1:1, 2:1) und sind nun noch zwei Siege von ihrem siebten Meistertitel in neun Jahren entfernt.

Natürlich fand Kölns Uwe Krupp die Szene, die zum zweiten Berliner Tor führte ärgerlich. Dass der Lapsus seinem in Köln nicht unumstrittenen Sohn passierte, wollte er nicht gelten lassen. „Beide Mannschaften haben viele Fehler gemacht. Entscheidend war, dass die Eisbären unsere Fehler besser genutzt haben als wir ihre.“ Für die Berliner war dabei begünstigend, dass die Kölner besonders im ersten Drittel sehr angespannt wirkten. Der Druck scheint beim Herausforderer größer zu sein als beim Serienmeister. Krupp sprach in diesem Zusammenhang von einem „Hype in Köln“, der seine Spieler zu sehr habe verkrampfen lassen.

Vor 18 366 Zuschauern in der Kölnarena demonstrierten die Berliner insgesamt eindrucksvoll, dass es sie nicht interessierte, wie sehr die Kölner ihre erste Meisterschaft seit 2002 gewinnen wollen. Von der ersten Sekunde an stürmten die Eisbären entschlossen ins Kölner Drittel. Die Haie wirkten übernervös und spielten so, wie es dem Erfolg nicht gerade dienlich ist. Querpässe vor dem eigenen Tor sind kein geeignetes Mittel gegen einen tief in der Angriffszone lauernden Gegner. Die Eisbären hätten nach 20 Spielminuten locker 4:0 führen können. Das erste Tor leitete der Kölner Moritz Müller ein – es war das 1:0 für die Eisbären durch Julian Talbot.

Die Demonstration der Berliner Überlegenheit war aber in der ersten Pause nicht am gigantischen Videowürfel der Kölnarena abzulesen. Und ab Spielminute 21 lief die Mannschaft von Don Jackson vorübergehend auch dem Gegner hinterher. Dem Schweden Andreas Falk gelang per Distanzschuss unter die Latte der Ausgleich für die Kölner, die danach sogar in Führung hätten gehen können. Allein Marco Sturm vergab zwei große Chancen, eine davon landete am Pfosten des Tors von Rob Zepp. Doch dann schickte Björn Krupp die Eisbären durch seinen Fehler mit einem Erfolgserlebnis in die Kabine.

Torschütze Mulock sagte später, dass sein Tor zum 2:1 der Knackpunkt des Spiels gewesen sei. „Wir haben uns danach wieder zusammengerissen.“ Und Köln machte weiter Fehler: Mit Hilfe von Sturm, der einen Schuss von Darin Olver ins eigene Tor lenkte, gingen die Eisbären 3:1 in Führung. In der Schlussminute gab es noch etwas Aufregung: Nach Falks Anschlusstor für Köln wurde nach Pfostenschuss von André Rankel auf 4:2 durch ein sogenanntes „technisches Tor“ erkannt. Der Berliner Kapitän war durch einen Stockschlag am Torschuss gehindert worden, die Entscheidung der Schiedsrichter korrekt.

Am Dienstag geht es mit der Finalserie in Berlin weiter. Nach den Eindrücken von Spiel eins könnte es für die Haie schwer werden, die Angelegenheit noch weit auszudehnen. Mit der Routine der vielen Erfolge im Rücken scheinen die Eisbären zu abgeklärt, als dass sie sich von einem insgesamt zu wackligen Gegner noch ernsthaft ärgern ließen. Krupp sagte am Sonntag: „Wir haben nur eine Chance, wenn wir 60 Minuten gut spielen.“ Das müssen die Kölner erst einmal schaffen, gegen die Berliner, für die in der Finalserie nun auch noch ihre Geschichte spricht: Bei all ihren sechs Meisterschaften hatten sie jeweils auch das erste Spiel gewonnen.

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