Sport : Altmodisch und unbeholfen

Mit antiquierter Taktik verliert Hertha 2:3 in Bremen – die Berliner sind nun seit vier Spielen sieglos

Stefan Hermanns[Bremen]

Es gibt Fußballspiele, in der einer der teilnehmenden Mannschaften nur die Rolle des Statisten zugedacht ist. Ein bisschen so musste sich gestern Nachmittag im Bremer Weserstadion Hertha BSC vorkommen. Der heimische SV Werder hatte bis dato 2499 Tore in der Bundesliga erzielt, gegen die Berliner sollte es nun den Jubiläumstreffer zu feiern geben. Fast eine Stunde betätigte sich Hertha sehr erfolgreich als Spaßbremse, dann traf Hugo Almeida zum 1:0. Sein Treffer eröffnete die allgemeinen Feierlichkeiten und löste alle Hemmungen. Mit den folgenden 30 Minuten wurden die Zuschauer für 60 Minuten Langeweile zuvor entschädigt. Nur für die Fans der Berliner hätte es ruhig etwas langweiliger weitergehen können. Ihre Mannschaft musste sich Werder am Ende 2:3 (0:0) geschlagen geben.

Herthas Spiel war in erster Linie darauf ausgerichtet, nicht zu verlieren. Trainer Lucien Favre hatte erneut Marko Pantelic als einzige echte Spitze aufgeboten, auch sonst hätte man bei der Mannschaftsaufstellung glauben können, es handele sich um eine Rückblende in die Zeit, als Falko Götz die Berliner noch trainierte. In der Abwehr ließ Favre eine Dreierkette verteidigen, eine taktische Lösung, auf die sonst nur noch Vereine wie Eintracht Frankfurt oder Rot-Weiß Oberhausen setzen. Noch vor der Pause allerdings korrigierte Favre seine Grundordnung. Malik Fathi und Sofian Chahed ordneten sich in die Viererkette ein, Josip Simunic rückte ins defensive Mittelfeld. Die Bremer sahen sich zwei dicht hintereinander geschalteten Abwehrriegeln gegenüber.

Trotz der übervorsichtigen Aufstellung hatte Hertha kurz vor Ende der ersten Hälfte die beste Chance. Nach einem Konter spielte Tobias Grahn von der rechten Seite einen Pass in den Bremer Strafraum, Gilberto stand völlig frei vor dem Bremer Tor – und schlug über den Ball. Von solchen Aktionen abgesehen beteiligten sich die Berliner nur punktuell an der Gestaltung des Spiels. Werder hatte deutlich mehr Ballbesitz, allerdings übertrieben es die Bremer gelegentlich mit der Kunst. Selbst im Strafraum suchten sie noch den besser postierten Mitspieler, zumeist blieb der Ball dann in der Berliner Abwehr hängen. So konnte Arne Friedrich vor Almeida klären, Steve von Bergen Sanogo den Ball gerade noch vom Fuß spitzeln, und gleich nach der Pause war es wieder Friedrich, der einen Schuss des Bremer Spielmachers Diego abblockte. Es war der Beginn einer Bremer Drangphase. In der 50. Minute verfehlte Clemens Fritz mit einem Schlenzer aus fünf Metern nur knapp das Tor, in der 51. traf Diego mit einem Schuss von der Strafraumgrenze die Latte. Der Brasilianer, bester Spieler auf dem Platz, bereitete auch das 1:0 für seine Mannschaft vor. Nach einem Ballverlust Pal Dardais kurz vor dem Bremer Strafraum schickte Diego Hugo Almeida mit einem langen Pass auf den Weg, Torhüter Jaroslav Drobny hatte gegen den Schuss des Portugiesen keine Chance.

Fast eine Stunde hatten die Bremer Fans auf das 2500. Bundesligator des SV Werder warten müssen, danach ging alles ganz schnell. Gilberto traf für die Berliner zum 1:1-Ausgleich, doch schon mit dem nächsten Angriff brachte der gerade eingewechselte Markus Rosenberg die Bremer wieder in Führung. Hertha hatte noch einmal die große Chance zum Ausgleich: Nach einer Flanke von der rechten Seite stand Gilberto frei vor Wiese, er konnte sich nicht entscheiden, ob er mit dem Kopf oder dem Fuß zum Ball gehen sollte – und schon war die Chance vertan. Im Gegenzug machte Leon Andreasen mit dem 3:1 alles klar, erneut nach einem Konter. Solomon Okoronkwos Anschlusstreffer in der Nachspielzeit änderte nichts mehr: Die Berliner waren mit ihren eigenen Mitteln geschlagen worden.

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