Sport : „Am Abgrund – das sind wir gewohnt“

Liga-Chef Trevor Phillips über die Organisation

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Herr Phillips, wie afrikanisch wird die WM in Südafrika?

Ich hoffe doch, dass sie sehr afrikanisch wird. Jedenfalls außerhalb der Stadien, bei den Fanfesten und vor den Public-Viewing-Leinwänden wird das so sein. Tickets werden sich die allermeisten Einheimischen nicht leisten können.

Wie bewerten Sie die Arbeit des lokalen Organisationskomitees?

Es bemüht sich redlich, das schon. Doch in den Ausschüssen sitzen eindeutig zu viele Politiker, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Eine WM zu bekommen und sie zu organisieren, das sind definitiv zwei verschiedene Dinge. Ich glaube wirklich, dass Organisationschef Danny Jordaan dringend Hilfe braucht.

Warum springen Sie nicht ein?

Lassen Sie mal, ich gehe lieber nächstes Jahr in Rente. Geld kann mich sowieso nicht mehr locken.

Gibt es etwas, das Südafrika von den deutschen WM-Organisatoren lernen könnte?

Dazu sage ich mal ganz grob: Die Südafrikaner würden es nicht einmal schaffen, Swasiland innerhalb von drei Monaten zu besetzen. Die WM hier wird niemals so generalstabsmäßig durchorganisiert sein wie die in Deutschland. Trotzdem müssen wir alle unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, die Weltmeisterschaft so sicher wie möglich zu machen. Wir sind es gewohnt, am Rande des Abgrunds zu leben. Das Problem ist: Unsere Besucher sind das nicht.

Für den sportlichen Erfolg hat Südafrikas Nationalteam Bafana Bafana den Brasilianer Carlos Alberto Parreira als Trainer verpflichtet. Ein richtiger Schritt?

Er ist ein guter Mann, der in diesem Jahr jedoch leider nicht besonders erfolgreich war. Man wird sehen, ob es ihm gelingt, die Mannschaft bis 2010 international konkurrenzfähig zu machen. Qualifizieren wird sich Südafrika ja automatisch.

Hat Fußball überhaupt einen hohen Stellenwert bei den Menschen?

Fußball bedeutet den Menschen hier viel. Obwohl Kricket, Rugby und Golf als klassische „weiße“ Sportarten über eine viel bessere Infrastruktur verfügen, steigt die Bedeutung des Fußballs hier stetig. Für viele sind die Radioübertragungen am Samstag der Höhepunkt der ganzen Woche. Es ist die einzige Möglichkeit, einem tristen Township-Alltag zu entkommen.

Welchen Standort wünschen Sie sich für das umstrittene Stadion in Kapstadt?

Das größte Township Khayelitsha. Da gehört es hin.

Die Fragen stellte Esther Kogelboom.

Trevor Phillips, 64, leitet die südafrikanische Profi-Fußballliga „Premier Soccer League“ (PSL). Er gilt als einer der wichtigsten Manager des Fußballs in seinem Land.

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