Sport : Am Anfang bedeutungslos Christopher Quiring stagniert bei Union

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Foto: Mike Wolff
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Berlin - An der linken Ferse klafft eine große Fleischwunde, deshalb trägt Christopher Quiring nach dem Training auch keinen Socken an diesem Fuß. Dass es am Morgen noch kühl ist, stört ihn nicht. Quiring ist konzentriert, auch die aufgegangene Blase gerät zur Nebensache.

Er hat am Dienstagabend mal wieder getroffen, ein Glücksgefühl, das der Mittelfeldspieler des 1. FC Union bei den Profis schon länger nicht mehr erlebte. Beim 2:2 gegen den polnischen Zweitligisten Flota Swinemünde erzielte er nach gut einer halben Stunde den Anschlusstreffer. In der zweiten Halbzeit traf Steven Skrzybski noch zum Ausgleich.

Es war ein eher belangloses Testspiel, das vorrangig dazu diente, den Reservisten zu etwas Spielpraxis zu verhelfen. Reservisten wie Quiring. Der Publikumsliebling spielt in der laufenden Saison noch keine Rolle. Bei den Spielen gegen Bochum und Bielefeld stand er nicht einmal im Kader. Auf seiner angestammten Position im rechten Mittelfeld war Baris Özbek bisher gesetzt. Während der Vorbereitung konnte Quiring sich nicht empfehlen. Für ihn nichts Neues. „Die Situation kenne ich schon aus der letzten Saison“, sagt er. „Da habe ich in den ersten fünf Spielen auch keine Rolle gespielt.“ Erst ab dem sechsten Spieltag kam er regelmäßig zu Einsätzen in der Startelf.

Diese Saison könnte eine entscheidende in der Karriere von Christopher Quiring werden. Inzwischen ist er 22 Jahre alt, die Zeiten, in denen ihm eine überaus erfolgreiche Zukunft als Fußballer vorausgesagt wurde, gehören der Vergangenheit an. Quiring stagniert in seiner Entwicklung, die letzte Spielzeit verlief für ihn höchst durchschnittlich. Vor zwei Jahren galt er noch als großes Talent, das es vom Nachwuchs der Berliner in den Kader der ersten Mannschaft geschafft hat. Angeblich zeigte Borussia Mönchengladbach nach der Saison 2011/12 Interesse an einer Verpflichtung Quirings.

Der Rummel um seine Person, die vermeintlichen Anfragen anderer Klubs, all das ließ den jungen Mann nachlässig werden. Vor einem Jahr mangelte es ihm zeitweise an der richtigen Einstellung. Quiring wusste damals, warum er draußen sitzt. Das ist dieses Mal anders. Mit Trainer Uwe Neuhaus habe es bisher kein Gespräch gegeben. „Es gab nichts, was er mir erklärt hat“, sagt Quiring.

Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr ins Team kann er sich aber machen. „Ich finde, dass Christopher in der ersten Halbzeit unglaublich darum gekämpft hat, wieder in den Kader zu kommen“, sagte Neuhaus nach dem Spiel gegen Swinemünde. Am Montag, beim DFB-Pokalspiel in Regensburg (18.30 Uhr), könnte Quiring wieder dabei sein.

Für Quiring wäre das trotzdem nur ein kleiner Fortschritt. „Es ist nicht mein Ziel, nur in den Kader zu kommen. Ich möchte auch spielen“, sagt er.

Dafür würde sich Christopher Quiring notfalls auch eine Blase am anderen Fuß laufen. Sebastian Stier

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