Sport : Am Anspruch gescheitert

Sven Goldmann

über die Fehlbesetzung im Amt des Eishockey-Bundestrainers Greg Poss ist freundlich, kann sich gut ausdrücken, charmant über sportferne Themen plaudern, und vielleicht ist er gerade deshalb als Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft eine Fehlbesetzung. Poss wollte mit einer mittelmäßigen Mannschaft über eine neue Ästhetik zum Erfolg finden. Damit ist er gescheitert, unabhängig davon, ob die Deutschen bei der Weltmeisterschaft in der A-Gruppe bleiben oder nicht. Poss ist mit dem Versprechen angetreten, die Nationalmannschaft werde nicht nur erfolgreicher, sondern auch schöner spielen als unter Vorgänger Hans Zach. Der ist kein freundlicher Mensch, drückt sich nicht gewählt aus, hatte aber Erfolg. Die Dimension dieses Erfolgs ist jetzt erkennbar. Zach wurde 2004 ein 0:1 gegen die Schweiz und das damit verpasste Viertelfinale zum Verhängnis – glorreiche Zeiten.

Unter Zach spielten die Deutschen das, was sie können: defensiv, abwartend, diszipliniert. Unter Poss regiert das Chaos. Günstlinge wie der Nürnberger Verteidiger Stefan Schauer finden sich in der Nationalmannschaft wieder, den aufmüpfigen Kölner Mirko Lüdemann hat er ohne Rücksprache aussortiert. Ähnlich pflegt Poss den Informationsaustausch mit seinen Trainerkollegen in der Deutschen Eishockey-Liga. Mit seinen Spielern redet Poss hinter der Bande dagegen gerne, und das so laut und erregt, dass die Grenze zur körperlichen Auseinandersetzung nicht weit ist. Aus der Mannschaft ist zu hören, dass die Reputation des Bundestrainers den Tiefpunkt erreicht hat. So etwas wie eine Taktik auf dem Eis ist schwer zu erkennen.

Der Deutsche Eishockey-Bund hat Greg Poss „grenzenlos vertraut“ (Präsident Hans-Ulrich Esken), und er wird nun die teuren Konsequenzen tragen müssen. Der Vertrag kann erst zum 31. Mai 2006 gekündigt werden. Schwieriger noch ist die Suche nach einem geeigneten Nachfolger, denn die Betreuung der Nationalmannschaft ist in den Wiener Chaostagen nicht attraktiver geworden.

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