• Am Beispiel Capitals - Barons: Der DEL-Ligenleiter Tripcke wird die Schiedsrichter noch einmal ermahnen

Sport : Am Beispiel Capitals - Barons: Der DEL-Ligenleiter Tripcke wird die Schiedsrichter noch einmal ermahnen

Claus Vetter

Der Tag, an dem in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erst nach Mitternacht Spiele entschieden werden, scheint nicht mehr fern. Denn dass sich Partien - statt der international üblichen zwei Stunden und rund 15 Minuten - über drei Stunden hinziehen, ist in der DEL längst an der Tagesordnung. Jüngstes Beispiel ist das Spiel der Capitals gegen die München Barons vom Dienstag. Eine im wesentlichen faire Partie ohne große Vorkommnisse, die dennoch erst über drei Stunden nach Anpfiff mit einem 5:4-Sieg für die Gastgeber endete.

Mit rheinländischer Gemütlichkeit hatte der Ratinger Richard Schütz das Geschehen geleitet. Hier noch eine Diskussion der Kapitäne mit dem Schiedsrichter, da noch der Versuch, vor dem Bully zu wechseln, obwohl der Linienrichter längst die Hand gehoben hat. Und pünktlich begonnen wird schon gar nicht, erst wird gewartet, bis der übertragende Fernsehsender so weit ist, oder bis sich die Spieler trotz Ablauf der Pause langsam aufs Eis bequemen. 4:4 stand es nach regulärer Spielzeit, der Betrachter wusste, was nun drohte. Zunächst nicht das Penaltyschiessen, sondern eine über fünf Minuten währende Diskussion des Schiedsrichters mit den Trainern über die Frage der zu nominierenden Schützen. Was flott begann, endete als zähes Ringen.

So sah es nach Spielschluss, also auf der Schwelle zum Mittwoch, auch Roger Wittmann. "So ein Schiedsrichter benachteiligt in seinen Entscheidungen nicht eine der beiden Mannschaften", sagte der Berliner Manager, "sondern er benachteiligt das Spiel". Die Unparteiischen würden dem Niveau oft nicht gerecht. Eine Einschätzung mit der Wittmann nicht alleine dasteht. Aber es gibt auch andere Meinungen. "Ein Schiedsrichter hat doch nur selten etwas mit dem Ausgang eines Spieles zu tun", meint Heinrich Schiffl von den Capitals. Nicht am Ausgang, aber zumindest an der Länge der Vorstellung tragen die Unparteiischen Mitschuld. Dies weiß auch Ligenleiter Gernot Tripcke: "Dass Spiele so lange dauern wie am Dienstag in Berlin, ist nicht in unserem Sinne. Das werden wir analysieren müssen. Schließlich haben wir die Schiedsrichter mehrfach darauf hingewiesen, dass Spiele ohne große Vorkommnisse nicht über zweieinhalb Stunden zu dauern haben." Wenn eine Mannschaft sich beim Wechsel viel Zeit lasse oder nach der Pause den Weg aufs Eis nicht finde, dann gelte die strikte Anweisung, Strafen wegen Spielverzögerung auszusprechen.

Dass manche Teams angesichts des straffen Spielplans in der DEL mitunter darum bemüht sind, das Geschehen auszudehnen, ist offensichtlich. Auch die Capitals ließen sich beim Wechseln in den Unterbrechungen am Dienstag recht viel Zeit. "Sechs Spiele innerhalb von elf Tagen haben wir zuletzt absolviert", sagt Wittmann, "da sind einige mit ihren Kräften am Ende". Dazu kommt noch der Umstand, dass Michael Komma nur auf ein kleines Ensemble setzte. 26 Spieler hat der Capitals-Trainer im Kader, gegen München kam über zwei Drittel nur rund die Hälfte zum Einsatz. Kein Wunder, dass da an der Uhr gedreht wird, die Spieler an einem ausgedehnten Schwätzchen mit den Unparteiischen großes Interesse zeigen. "Da ist viel Taktik im Spiel", meint Tripcke. Wenn beide Mannschaften mit reduzierter Formation antreten, einige man sich oft stillschweigend darauf, die Sache gemütlich anzugehen. Doch angesichts der Tatsache, dass die DEL-Spiele im Schnitt länger dauern als in anderen europäischen Ligen, sind laut Tripcke nun Maßnahmen gefragt. "Wir werden die Schiedsrichter noch mal verstärkt darauf hinweisen, dass es so nicht geht."

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