Sport : Am Boden

Der Abstieg des deutschen Daviscup-Teams wird für den Tennis-Bund finanzielle Einbußen zur Folge haben

Ulrich Hartmann,Stefan Hermanns

Von Ulrich Hartmann und

Stefan Hermanns

Berlin/Sundern. In der Minute der Niederlage ahnte Carl-Uwe Steeb, ein Vertreter aus der großen Zeit des deutschen Tennis, bereits die Konsequenzen: „Man wird erst in ein paar Wochen merken, was da passiert ist.“ Wenig später durfte sich der ehemalige Daviscup-Sieger bestätigt fühlen. „Es fehlt uns ganz sicher Geld im nächsten Jahr“, sagt Georg von Waldenfels, der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB). Aber eine Katastrophe sei der Abstieg der deutschen Daviscup-Mannschaft aus der Weltgruppe nicht.

Tatsache aber ist, dass der Abstieg für den DTB nicht nur finanzielle Einbußen nach sich ziehen wird, sondern auch eine geringere Präsenz der Sportart in den Medien. Der bis 2004 laufende TV-Vertrag zwischen der SportA, dem Rechtevermarkter von ARD und ZDF, und dem Daviscup-Veranstalter International Tennis Federation (ITF) gilt nur für die Weltgruppe und nicht für die Kontinentalgruppe, in die das deutsche Team durch die Niederlage gegen Weißrussland abgestiegen ist. Damit ist dieser Vertrag hinfällig. Am Donnerstag werden in London die Partien der Kontinentalgruppe ausgelost. „Danach wird neu verhandelt“, sagt ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf.

Dass es im nächsten Jahr keine Live-Übertragungen von deutschen Daviscup-Spielen geben wird, steht für Boßdorf genauso fest wie für den ZDF-Sportchef Wolf- Dieter Poschmann. „Wir wollen Tennis ja weiterhin übertragen, aber nicht mehr so großflächig“, sagt Poschmann, der künftig kurze Daviscup-Berichte in den Sportsendungen favorisiert. „Live wird der Daviscup im nächsten Jahr sicher nicht gezeigt“, sagt auch Boßdorf.

Diese Konsequenzen hatte DTB-Präsident Georg von Waldenfels am Sonntag in Sundern bereits vorhergesehen. „Wir werden weniger Zuwendungen bekommen, und das Fernsehen wird sich zurückhaltender zeigen“, sagte von Waldenfels. Weniger Geld wird der Tennisbund aber nicht nur von den Sendeanstalten erhalten, sondern als Zweitligist auch von der ITF. Der Daviscup-Veranstalter hat in diesem Jahr insgesamt 8,5 Millionen Dollar Start- und Preisgeld an die 142 teilnehmenden Daviscup-Nationen gezahlt.

Laut ARD-Sportkoordinator Boßdorf sind der Daviscup und Wimbledon die attraktivsten Tennisveranstaltungen im deutschen Fernsehen, „aber beim Daviscup wird das Interesse nun sicher nachlassen“. Bernd Nusch, der Direktor des Turniers am Stuttgarter Weißenhof, glaubt nicht, dass die Turniere in Deutschland durch den Abstieg irgendwelche Nachteile erleiden. Allerdings haben auch die Experten der Sportrechte- Agentur SportA festgestellt, dass sich der Sport immer schwieriger vermarkten lasse. Tennis sei kein Selbstläufer mehr, heißt es dort, es gebe so gut wie keine großen Unternehmen, die Tennis in Deutschland „medial als Kommunikationsplattform nutzen“.

Tourenwagen mit mehr Quote

Nachlassendes Interesse am Daviscup belegen auch die Quoten der Live-Übertragungen aus Sundern. Tomas Behrends Niederlage hatte in der ARD im Schnitt 600 000 Zuschauer und enttäuschende acht Prozent Marktanteil. Rainer Schüttlers Pleite gegen Max Mirnyi wollten am Sonntag im ZDF gar nur 6,4 Prozent aller Zuschauer (680 000) sehen. Als das ZDF direkt im Anschluss ein Rennen des Deutschen Tourenwagen-Masters übertrug, stieg die Sehbeteiligung auf zwölf Prozent. „Wir können doch kein Minderheitenprogramm machen“, sagt Poschmann über die derzeitige Attraktivität des deutschen Tennis. Die Tendenz gehe beim Tennis ohnehin zu kürzeren Sendezeiten, sagt der ZDF-Sportchef, und diese Tatsache stehe im Gegensatz zur Meinung einiger „wahrheitsferner Turnierveranstalter in Deutschland“.

Diese Einschätzung trifft sich mit den Äußerungen von Waldenfels’, der vor einigen Wochen gesagt hatte, „Die Sendung mit der Maus“, erreiche im Fernsehen bessere Quoten als Tennis-Übertragungen. Der DTB-Chef war deswegen von den Veranstaltern der Turniere in Deutschland heftig kritisiert worden. Bernd Nusch aus Stuttgart befürchtet negative Auswirkungen für das Image des Sports: „Das ist nicht gut, was in Sundern passiert ist. Dabei bietet das Produkt alle Chancen.“

Dem Mittelmaß im Spitzensport steht im Tennis eine weiterhin vorhandene Attraktivität als Breitensport gegenüber. „Teilweise steigen die Mitgliederzahlen der Vereine wieder“, sagt Nusch. Seine Vorstellung ist, dass der Sport „mit modernsten Marketingmethoden wieder nach vorne gebracht wird“. Dazu brauche der DTB „junge, agile Fachleute, die etwas vom Marketing verstehen“. Deren Aufgaben müsse man trennen von denen des Funktionärs, „der schöne Reden hält“.

Ob er eine solche Konstruktion mit von Waldenfels als Präsident für möglich halte, dazu äußert sich Nusch ausweichend: „Er ist ja schon einige Jahre im Amt.“ Eine Zusammenarbeit zwischen von Waldenfels und dem DTB auf der einen Seite und den Turnierdirektoren auf der anderen erscheint angesichts der verhärteten Fronten nur schwer möglich. „Ich von meiner Seite werde nichts unternehmen“, sagt Nusch.

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