Sport : Am Buckingham Palast winkt eine königliche Gage

JÖRG WENIG

LONDON .An der berühmten Sternwarte von Greenwich fällt am Sonntag der Startschuß zum spektakulärsten Marathon-Wochenende des Jahres.Und der Mann, dessen Stern im vorigen Jahr in Berlin aufging, wird dann zum ersten Mal seit seiner famosen Weltbestzeit wieder über die klassische Distanz von 42,195 km laufen.Der Brasilianer Ronaldo da Costa hatte im September nach 2:06:05 Stunden das Ziel auf dem Kurfürstendamm erreicht und gehört nun in London am Sonntag zu den großen Favoriten.Nach einer über zehnjährigen Marathon-Rekordpause, war 1998 auch die Bestzeit der Frauen gebrochen worden.Tegla Loroupe steigerte die Marke in Rotterdam auf 2:20:47 Stunden.Fast zeitgleich zum London-Marathon startete die Kenianerin in der holländischen Hafenstadt am Sonntag einen neuen Rekordversuch.

Doch vor allen Dingen bei den Männern spricht einiges dafür, daß die Jagd nach neuen Bestzeiten in diesem Jahr erfolgreich fortgesetzt wird.Denn gemessen an den Rekordentwicklungen über die Bahn-Langstrecken in den letzten Jahren, hat die klassische Distanz noch deutlichen Nachholbedarf.Und sollte es am Sonntag weder in London noch in Rotterdam klappen, dann steht tags darauf, am traditionellen Montags-Termin, noch der prestigeträchtige Boston-Marathon auf dem Programm.Es ist bereits die 103.Auflage des Rennens.

London, Boston, Rotterdam - die Läufe in diesen Städten locken nicht nur mehrere Millionen Zuschauer an die Strecke, sie locken mit Budgets von mehreren Millionen Dollar auch die weltbesten Marathonläufer an den Start.Über 50 000 Läufer werden sich insgesamt an diesen Rennen beteiligen, 30 000 davon alleine beim größten europäischen Marathon in London.Während in Rotterdam das Feld aus organisatorischen Gründen auf 10 000 Teilnehmer beschränkt ist, müssen für das Eliterennen von Boston anspruchsvolle Qualifikationsleistungen erbracht werden.So starten auch hier in der Regel nicht mehr als 11 000 bis 12 000 Athleten.Mit den Läufen in Berlin, Chicago und New York gibt es im Herbst zwar eine Art Pendant zu London, Boston und Rotterdam, doch finden diese nicht binnen zwei Tagen, sondern innerhalb von rund sechs Wochen statt.

Noch zwei weitere ehemalige Berlin-Marathon-Sieger - Abel Antón aus Spanien (1996) und der Portugiese António Pinto (1994) - haben einen Anteil daran, daß der Lauf in London am Sonntag das voraussichtlich bestbesetzte Rennen des Jahres sein wird.Gleich sieben Athleten haben Bestzeiten von unter 2:08 Stunden, darunter auch der Olympiasieger Josiah Thugwane aus Südafrika.Selbst die Weltmeisterschaften in Sevilla im heißen August werden voraussichtlich kein derart illustres Starterfeld aufweisen, denn die großen Cityrennen sind für die meisten Marathonläufer viel attraktiver als die zudem klimatisch extremen Titelkämpfe.

Die Rotterdamer Veranstalter bieten der Kenianerin Tegla Loroupe angeblich eine Viertelmillion Dollar für die erste Zeit einer Frau unter 2:20 Stunden.Der Boston-Marathon schüttet, Rekordprämien nicht eingerechnet, alleine über eine halbe Million Dollar an Preisgeldern aus.Mit 80 000 Dollar gibt es hier die höchste Siegprämie bei einem Straßenlauf.Und wer in London vor den Toren des Buckingham Palastes eine Weltbestzeit aufstellt, der wird mit der königlichen Gage von 205 000 Dollar belohnt.

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