Am Ende 2:2 : Bremen holt 0:2 gegen Stuttgart auf

Werder Bremen gelingt beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart eine furiose Aufholjagd – mit ungewohnter Farbe.

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In der Klemme. Stuttgarts Cacau (links) versucht die Bremer um Tim Borowski zu stoppen. Foto: ddpddp

Vielleicht war es wirklich eine gute Idee der Marketingabteilung des SV Werder Bremen, für das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart die Farbe Rot in den Mittelpunkt zu rücken, um die RED-Kampagne im Kampf gegen Aids in Afrika zu unterstützen. Denn eventuell inspirierten ja der ungewohnte rot-weiße Spielball, die roten Schnürsenkel oder die roten Trainingsanzüge die ansonsten grün-weißen Protagonisten zu einer furiosen Aufholjagd, um nach einem 0:2-Rückstand noch zu einem 2:2 (0:2)-Remis gegen die Schwaben zu kommen. Im Kampf um die Europapokalplätze hilft beiden Teams der Punkt aber nur bedingt weiter.

„Wir waren viel zu passiv und sind erst später aktiver geworden“, monierte Werders Chefcoach Thomas Schaaf nach der Partie. „Wir dürfen nicht immer einen so langen Anlauf brauchen.“

Diese altbekannte Bremer Schwäche nutzten die komplett in rot spielenden Schwaben klug aus: Das eingespielte Ensemble von Trainer Christian Gross, der einer wankelmütigen Mannschaft wieder Sicherheit und Selbstvertrauen gegeben hat, stand in der Abwehr sicher und setzte im Angriff punktgenaue Akzente. So nach einer zähen Anfangsviertelstunde, als Alexander Hleb sich gegen den strauchelnden Torsten Frings durchsetzte und klug den Russen Pogrebnjak bediente, der kaltschnäuzig nach einer Viertelstunde sein sechstes Saisontor erzielte. Dass der 33-jährige Werder-Kapitän anschließend Foulspiel reklamierte („Wir sind beschissen worden, ich habe selten so einen schlechten Schiri erlebt.“) zeigte die ganze Hilflosigkeit der Hanseaten an diesem Nachmittag. Auch in der Offensive lief beim Gastgeber wenig zusammen: Claudio Pizarro verschluderte die beste Chance freistehend vor Jens Lehmann. Ansonsten fiel Werder gegen die von Matthieu Delpierre bestens organisierteVfB-Abwehr wenig ein.

Und was machten eigentlich die im Blickpunkt befindlichen Nationalspieler, die sich kritisch über ihre Nicht-Berücksichtigung von Joachim Löw beschwert hatten? Marko Marin („Ich verstehe nicht, wieso ich keine Chance mehr bekomme“) ließ nur selten sein Können aufblitzen, Aaron Hunt („Ich bin schon sehr enttäuscht, dass ich gegen Argentinien nicht gespielt habe“) zeigte noch weniger. Und da auch bei Mesut Özil stets Licht und Schatten wechselten, kam das Bremer Vorwärtsspiel nie wirklich auf Touren. So geschah, was geschehen musste: Nach einem der zahlreichen Stellungsfehler des überforderten Aymen Abdennour flankte Timo Gebhart zielgenau auf Khedira, der kurz vor der Halbzeit das 0:2 köpfte. Die Gäste, beste Rückrundenmannschaft der Liga, stellten das eindeutig effektivere Team.

Erst, als Hugo Almeida für Borowski und später mit Markus Rosenberg ein dritter Stürmer kam, wurde Werder in der Endphase endlich druckvoller: Ein Flachschuss von Almeida, bei dem Lehmann nicht gut aussah, führte auch prompt zum 1:2, eine Viertelstunde vor Schluss. Und nur fünf Minuten später war es Marin, der im Duell gegen Stefano Celozzi zu Boden ging. Den von Schiedsrichter Felix Brych verhängten Strafstoß verwandelte Frings sicher zum letztlich nicht unverdienten 2:2.

„Zweite Halbzeit haben wir gespielt wie Amateure“, moserte der verbesserte Hleb, der mit Gross ein klärendes Gespräch geführt hatte und prompt durchspielen durfte. Gross übrigens wollte das erste Remis in seiner Amtszeit nicht schlecht reden, „wir müssen nur das dritte Tor machen - das war weitgehend ein guter Auftritt.“ Aber mit dieser Ansicht stand der Schweizer recht alleine da. „Das Unentschieden fühlte sich an wie eine Niederlage“, klagte Nationalstürmer Cacau, der indes selbst zwei klare Chancen vergeben hatte.

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