Sport : Am Ende der Bahn

Der Trainer des Wunderpferdes Overdose verlässt Hoppegarten schon wieder

von

Plötzlich wiehert doch noch ein Pferd. Bis dahin ist es im Stall von Sandor Ribarszki nahezu ruhig gewesen. Genau genommen herrscht Endzeitstimmung, denn in der kommenden Woche wird der achtmalige ungarische Championtrainer das gemietete Quartier abschließen und mit acht Galoppern in die Heimat zurückkehren. Nach nur knapp fünf Monaten zieht der 47-Jährige ein ernüchterndes Fazit: „Meine Hoffnung, dass neue Besitzer ihre Pferde bei mir trainieren lassen, hat sich nicht erfüllt. Insgesamt habe ich wohl 10 000 Euro verloren. Ich fange jetzt in Ungarn wieder ganz unten an.“

Dabei sollte der dritte Saisonrenntag am Sonntag in Hoppegarten (erster Start um 14.10 Uhr) für Ribarszki ein besonderer werden. Eigens für das von ihm trainierte Wunderpferd Overdose, das bei zwölf Starts ungeschlagen ist und nach massiven Hufproblemen nun wieder rennfertig zu sein schien, war ein Sprintrennen ins Programm aufgenommen worden. Der belgische Starjockey Christophe Soumillon sollte den fünfjährigen Starborough-Sohn reiten. Wäre es zu dem Auftritt gekommen, dann hätte selbst das nunmehr als Höhepunkt verbliebene 22 000- Euro-Listenrennen mit den Hoppegartener Cracks White Lightning und Ordenstreuer damit nicht konkurrieren können. Der Name Overdose und schließlich seine Präsentation im Führring hatten zu Ostern einen Zuschaueransturm in Hoppegarten ausgelöst und Rennbahnbesitzer Gerhard Schönigh ein Besucherplus von 30 Prozent beschert. In den Materialien zum aktuellen Renntag findet sich zu Overdose aber nur noch ein Satz: „Overdose, der ungarische Stargalopper, für den zwischenzeitlich ein Start ins Auge gefasst worden war, ist mit seiner Vorbereitung noch nicht so weit.“ Das bestätigt auch Sandor Ribarszki, der noch zu Jahresbeginn für seinen mutigen Schritt beglückwünscht worden war, nach Hoppegarten zu kommen. Sein Umzug mit Pferden, Frau und Kindern wurde als ein Signal für den Aufschwung in Hoppegarten gesehen. Lob gab es dafür von allen Seiten, zum Scheitern des Projekts war bisher kein Wort des Bedauerns zu vernehmen. „Ich mache niemandem einen Vorwurf“, sagt Ribarszki, „ich wusste ja, dass es hier schwer wird.“ Dass er dafür „einen schönen Stall in Ungarn mit 70 Pferden“ aufgegeben hat, ärgert ihn heute sehr.

Am Sonntag wird er noch einmal Pferde ohne Siegchance in die Startbox einrücken lassen, aber in Gedanken ist Ribarszki längst wieder in Ungarn. „Ich war wohl zu gutgläubig“, sagt er und schaut auf den Fernseher. Dort läuft das Programm aus der Heimat, wo die Turffans über seinen Aufstieg und Fall in Deutschland längst informiert sind.

Hoppegarten aber feiert am Sonntag nun erstmals unter der Schirmherrschaft des russischen Botschafters Wladimir Kotenew einen Deutsch-Russischen Freundschaftscup. Ein Pferd aus Russland ist nicht am Start.

0 Kommentare

Neuester Kommentar