Sport : Am Ende stehen Tränen statt Titel

Der Titeltraum der deutschen Fußballerinnen endet im Viertelfinale: Nach 108 Minuten kassieren sie in der Verlängerung das 0:1 gegen Japan und scheiden aus

Anke Myrrhe[Wolfsburg]
Der Schuss ins Aus.
Der Schuss ins Aus.Foto: dpa

Kim Kulig wurde nach fünf Minuten mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt, ein Schock für das Team.

Die deutsche Mannschaft bildete erneut einen Kreis und Trainerin Silvia Neid sprach einige aufmunternde Worte. Als wollte das Team trotz aller Tränen die tolle Kulisse vor 26 067 Zuschauern in Wolfsburg noch ein wenig länger auskosten und die WM im eigenen Land noch ein wenig künstlich in die Länge ziehen. Doch es war vorbei, nach 108 langen Minuten waren es zum allgemeinen Erschrecken nicht die Deutschen, die in der Verlängerung trafen, sondern die Japanerin Karina Maruyama. Und die Heim-WM endete viel früher als erwartet: Deutschlands Fußballerinnen sind im Viertelfinale ausgeschieden. 1:0 (0:0) für Japan hieß es nach dramatischen 120 Minuten in Wolfsburg, in denen die deutsche Mannschaft es einfach nicht schaffte, den Ball ins Tor zu bringen.

„Ich habe den Spielerinnen im Kreis gesagt, dass es solche Momente im Fußball gibt, dass wir das wegstecken müssen“, sagte die Bundestrainer. „Wir hätten noch, keine Ahnung wie lange, spielen können und hätten wohl kein Tor geschossen.“

Mit der alten Startformation kehrte auch die alte Nervosität des Turnierbeginns zurück. In diesem ersten Spiel der K.o.-Runde häuften sich erneut Ballverluste im Mittelfeld und unnötige Fehlpässe, nachdem die Mannschaft gegen Frankreich ansehnlich kombiniert hatte. Celia Okoyino da Mbabi hätte nach einer halben Stunde das 1:0 erzielen müssen, als Kerstin Garefrekes ihr einen feinen Querpass direkt in den Strafraum spielte, Okoyino da Mbabi allerdings legte sich den Ball zu weit vor. Auch Inka Grings zeigte nicht die Spritzigkeit und Torgefahr des Frankreich-Spiels, in dem Sie zwei Mal getroffen hatte.

Silvia Neid bewies einmal mehr ihre erklärte Lust auf Überraschungen. Zwar hatte sie ihre Mannschaft wie erwartet wieder zurück auf die Startformation des Nigeria-Spiels gebaut. Linda Bresonik kehrte in die Abwehr zurück, Melanie Behringer und Kim Kulig ins Mittelfeld. Allerdings wurde vier Minuten nach dem Anpfiff gleich wieder eine Neuerung nötig. Kulig hatte nach einer Ecke die erste gute Gelegenheit, als ihr Kopfball das Tor knapp verfehlte. Die 21-Jährige verdrehte sich beim Aufkommen jedoch so unglücklich das Knie, dass sie nicht mehr weiterspielen konnte. Tief enttäuscht saß sie fortan mit Tränen in den Augen neben Birgit Prinz auf der Bank. Neid brachte jedoch nicht Lena Goeßling, die sich im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich auf Kuligs Position ausgezeichnet hatte, sondern Bianca Schmidt. Erst in der zweiten Hälfte brachte Neid dann Goeßling für Bresonik. Bei Kulig bestand zunächst Verdacht auf Kreuzbandriss, „ein Schock für die Mannschaft“, sagte Neid.

Die Zuschauer erlebten eine Zitterpartie erster Güte. Das lag aber auch daran, dass die Japanerinnen wie erwartet technisch und läuferisch stark auftraten. Sie hatten in der ersten Hälfte deutlich mehr Ballbesitz, die Deutschen dafür allerdings mehr Gelegenheiten. Wieder war es das Duo Peter-Garefrekes, das nach gut 20 Minuten die Führung hätte erzielen können. Der Freistoß von Babett Peter fand diesmal aber nur das Knie von Kerstin Garefrekes und die bekam den Ball nicht ins Tor. Die deutsche Mannschaft konnte den Größenunterschied von durchschnittlich zehn Zentimetern im Strafraum nicht ausnutzen. Mehrmals schlug Melanie Behringer hoffnungsvolle Freistöße und Ecken in den Strafraum, weder die 1,79 Meter große Garefrekes noch Grings konnten daraus etwas machen.

„Die Japanerinnen werden uns nicht nur Begleitschutz geben“, hatte Garefrekes vor dem Spiel gesagt und damit Recht gehabt. Im Mittelfeld entwickelten sich harte Zweikämpfe, in denen die Japanerinnen in nichts nachstanden. Sie störten früh, die deutsche Abwehr hatte gut zu tun. Bianca Schmidt zeigte erneut, dass sie auf der rechten Seite mehr als eine Alternative ist. Saskia Bartusiaks erster nennenswerter Fehler bei diesem Turnier, als die Innenverteidigerin den Ball nicht richtig weggegrätscht bekam, leitete die einzige große Chance der Japanerinnen in der ersten Hälfte ein. Die Potsdamerin Yuki Nagasato schoss jedoch links am Tor vorbei.

Die mexikanische Schiedsrichterin Quetzalli Alvarado wirkte teilweise, als könnte sie ihre Pfeife nicht finden. Erst wurde Linda Bresonik durch ein klares Foul eine gute Konterchance verwehrt, dann wurde Kerstin Garefrekes kurz vor Ende der regulären Spielzeit im Strafraum zu Fall gebracht – beide Male hatte Alvarado gute Sicht.

Dann schließlich dieser fatale Moment als Japans Homare Sawa einen genialen Pass auf Karina Maruyama spielte, die von links an Nadine Angerer vorbeischoss. Die Deutschen drängten auf den Ausgleich bestürmten zehn Minuten lang ohne Verschnaufpause das japanische Tor. Es half nichts. Zum ersten Mal verlor die deutsche Mannschaft ein Spiel gegen Japan. Ein unglücklicheres Ende hätte es nicht geben können.

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