Sport : Am Ende

Nach dem 1:6-Debakel bei Werder Bremen ist Herthas Trainer Huub Stevens nicht mehr vermittelbar

Sven Goldmann

Bremen. Fünf Minuten vor der Pause wurde es hektisch im bis dahin meist stillen Block der Hertha-Fans. Die Anhänger verließen ihre Plätze und verschwanden durch die Ausgänge von den Rängen. Die Hälfte der 500 Berliner Fans verabschiedete sich vorzeitig. Deutlicher kann man seine Missachtung und Resignation wohl nicht ausdrücken. Die Fans von Hertha BSC ertragen es nicht mehr, was der Berliner Fußball-Bundesligist in diesem Herbst bietet. Dem Aus im Uefa-Cup in Runde eins und dem Absturz auf einen Abstiegsplatz in der Bundesliga folgte gestern die Blamage im DFB-Pokal. Im Achtelfinale unterlag Hertha dem SV Werder Bremen mit 1:6.

Es war die schlimmste Blamage für Hertha seit dem Aufstieg vor sechs Jahren. Aber Trainer Huub Stevens glaubt immer noch, er könne in Ruhe weiterarbeiten. „Ich halte diesen Druck weiterhin aus“, sagte er nach dem Spiel in Bremen. Die Frage ist, ob man ihn auch lässt. Manager Dieter Hoeneß jedenfalls sagte: „Die Lage ist sehr, sehr ernst.“ In der Kabine beriet er sich mit Stevens, dabei einigten sie sich darauf, „erst mal eine Nacht darüber zu schlafen“. Ob er auch über einen Trainerwechsel nachdenke, wurde Hoeneß gefragt. „Die Lage ist so ernst, dass man über alles nachdenken muss.“ Wahrscheinlich wird schon heute Andreas Thom als Interimstrainer erstmals das Training der Profis leiten.

Stevens saß an seinem vermutlich letzten Arbeitseinsatz für Hertha still auf seiner Trainerbank, als könnten ihn die schlimme Darbietungen gar nicht mehr aufregen. Dabei hatte die gestrige Vorstellung eine neue Qualität. Herthas Trainer mussten zusehen, wie seine Mannschaft in ihre Einzelteile zerlegt wurde. „Es ist eine Schande, was wir hier gespielt haben“, sagte Denis Lapaczinski. Der DFB-Pokal wäre für Hertha die letzte Möglichkeit gewesen, der verkorksten Saison noch eine positive Wende zu geben. Aber die Berliner verspielten auch diese Chance gewohnt fahrlässig. Das 1:6 war die höchste Pokal-Niederlage seit dem Spieljahr 1935/36. Damals hatte Hertha 2:8 beim VfL Benrath verloren.

Herthas Trainer Huub Stevens hatte mit der Verbannung von Fredi Bobic ein Zeichen setzen wollen, doch wie so viele Maßnahmen zuvor blieb auch diese ohne Wirkung. Auf der anderen Seite hatte Thomas Schaaf, Werders Trainer, seine beste Mannschaft aufgeboten, obwohl die Bremer am Samstag gegen Bayern München spielen. Der Tabellenzweite hatte erwartungsgemäß von Beginn an die besseren Chancen. Schon nach 30 Sekunden vergab Ivan Klasnic die erste guten Möglichkeit, im Stakkato ging es anschließend weiter. Nach nicht einmal einer halben Stunde war die Begegnung entschieden. Erst traf Klasnic zum 1:0, und nur sieben Minuten später erhöhte der Franzose Johan Micoud auf 2:0. Bei beiden Toren hatte Herthas Abwehr nicht besonders gut ausgesehen. Aber auch das ist inzwischen nichts Neues mehr.

Neu war, wie Hertha anschließend von den Bremern gedemütigt wurde. Klasnic traf mit einem Fernschuss noch in der ersten Hälfte zum 3:0, und weil bei den Berlinern alles schief ging, landete gleich nach der Pause auch Ismaels Freistoß aus gut 30 Metern in Herthas Tor. Am Ende resignierten die Berliner, ja, sie wurden von den Bremern auf dem Platz regelrecht verhöhnt: Ailton und der eingewechselte Charisteas erhöhten in der Schlussphase auf 6:0. Marcelinhos Treffer zum 1:6 war nur noch eine Fußnote. Es sei „unglücklich gelaufen“, sagte Huub Stevens nach dem Spiel. Bei der Pressekonferenz wirkte er so locker wie lange nicht mehr. Es schien, als habe er mit Hertha abgeschlossen.

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