Sport : Am Ende

Nach dem 0:2 gegen Bielefeld ist der HSV Tabellenletzter – Trainer Toppmöller muss wohl gehen

-

Klaus Toppmöller stand mit versteinerter Miene am Spielfeldrand. Konsterniert verfolgte er, wie ihn seine Mannschaft ein paar Meter weiter auf dem Rasen der Hamburger AOLArena schmählich im Stich ließ. Der Hamburger Trainer wird, wenn die Zeichen nicht gänzlich trügen, nach der peinlichen 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld seinen Job einbüßen. „Vom Sternzeichen her bin ich Löwe. Ich habe noch nie aufgegeben, weder im Fußball, noch sonst im Leben“, sagte Toppmöller unmittelbar nach dem Abpfiff. Allerdings: Hamburgs Präsident Bernd Hoffmann braucht nun nur noch auf die Tabelle zu schauen, um Handlungsbedarf im Falle des leitenden Angestellten Toppmöller zu erkennen. Der HSV steht in der Bundesliga so tief, tiefer geht’s nicht mehr: Auf dem letzten Platz.

Nach eineinhalbstündiger Beratung unmittelbar nach Spielschluss sagte Präsident Bernd Hoffmann: „Wir werden unter dem Eindruck des Spiels heute keinerlei Entscheidung treffen, wir sprechen morgen weiter.“ Doch eine weitere Aussage deutet auf eine baldige Entlassung Toppmöllers hin. Ob man davon ausgehen könne, dass der Trainer das heutige Training leiten werde, wurde der Präsident gefragt. Er antwortete: „Darüber möchte ich keine Auskunft geben.“

In Hamburg wird bereits Thomas Doll, der Trainer der HSV-Amateure, als kommender Coach gehandelt. Ganz so einfach sehen die HSV-Fans die Lage nicht. „Außer Toppi könnt ihr alle geh’n“, taten sie nach dem Schlusspfiff in Sprechchören ihre Meinung kund. Und auch Torwart Martin Pieckenhagen sucht die Schuld bei der Mannschaft. Krisensitzungen würden nichts mehr helfen. „Da sitzen alle da – und dann belügen wir uns ja doch nur selber.“ Bei der Trainerfrage reagiert der Torwart ungewöhnlich. „Ich denke, morgen werden wir die Nachricht bekommen, ob er bleibt oder geht, dann können wir uns alle das anheften, dass wir wieder einmal einen Trainer geschaffft haben.“

Der HSV hatte gegen Bielefeld stark angefangen. Aber als nach zehn Minuten bei etlichen Chancen kein Tor herausgesprungen war, wurde die Mannschaft ungeduldig. Aus Ungeduld wurde mit der Zeit Hektik, und das Spiel der Hamburger zerfledderte wie ein altes Buch. Uwe Rapolder wollte seinem Kollegen Toppmöller offenbar beispringen, als er nach dem Abpfiff zur Hymne auf den HSV anhob. „Wie die in der ersten Halbzeit aufgedreht haben, so sind wir in dieser Saison noch nie unter Druck geraten.“

Bielefeld besaß nach leichten Orientierungsproblemen zu Anfang die besonnenere Spielanlage, die bessere Übersicht. Das 1:0 durch Owomoyela nach einer knappen Stunde war verdient, das 2:0 durch Buckley nach einem Konter die logische Folge der immer kopfloser werdenden Aktionen des HSV. Toppmöllers zweifelhafter Schachzug, den Spielgestalter und Torjäger Sergej Barbarez ins Deckungszentrum neben Daniel van Buyten einzubauen, schlug fehl. Barbarez fehlte nach dem Rückstand vorne.

Wenn Toppmöller nun seine Sachen in Hamburg packen soll, dann muss der Hamburger Vorstand nachhelfen. Ein Rücktritt von sich aus, „das schließe ich absolut aus“, sagte Toppmöller. Und ein bisschen genoss er auch das lautstark artikulierte Wohlwollen der Fans. „Die Leute merken eben, dass hier ordentlich gearbeitet wird“, sagte der Trainer. Ordentliche Arbeit schließt Erfolge ein. Das weiß auch Toppmöller: „Man hat keine Argumente, wenn man keine Punkte holt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar