Sport : Am Rand der großen Spiele Elf Kriminalgeschichten rund um den Fußball

Stefan Hermanns

Georg Bucher, von Beruf Dieb und Einbrecher, flüchtet nach einem erfolgreichen Juwelenraub ins Berner Wankdorfstadion. Es ist Sonntag, der 4. Juli 1954. Der 14 Jahre alte Esteban erlebt das WM-Viertelfinale zwischen England und Argentinien in einem provisorischen Gefängnis nahe dem Aztekenstadion. Er ist verhaftet worden, als er versucht hat, mit einer gestohlenen Eintrittskarte ins Stadion zu kommen. Es ist die Pressekarte eines Journalisten, den er an Abend zuvor in einem Armenviertel überfallen hat. Der 22 Jahre alte Student James Henry Forrest ist bei seinem ersten Länderspiel für die englische Nationalmannschaft gegen Schottland nicht ganz bei der Sache: Er hat auf der Tribüne Jack the Ripper entdeckt.

Solcherart sind die elf kleinen Kriminalgeschichten mit den oft überraschenden Wendungen, die Matti Lieske rund um große Fußballspiele angesiedelt hat: um das Finale von Bern, das Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1986, in dem Maradona die Engländer mit der Hand Gottes aus dem Turnier boxte, oder das deutsch-deutsche Vorrundenduell bei der WM 1974. Eine schöne Idee, weil Lieske, Sportredakteur bei der „taz“, nicht nur von den kleinen und großen Verbrechern erzählt, sondern gewissermaßen nebenbei auch noch die dazugehörige Fußballgeschichte aufleben lässt. Das alles liest sich sehr leicht. Auch deshalb, weil man den Texten nicht unangenehm anmerkt, dass in ihnen nicht nur ein hoher Rechercheaufwand steckt, sondern auch jede Menge Fußballfachwissen.

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