Sport : Am Rande des Rhythmus

Herthas brasilianischer Stürmer Luizao hat schon im Sommer die Saisonvorbereitung verpasst – Ähnliches droht ihm auch jetzt vor der Rückrunde

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt

Von Stefan Hermanns

und Michael Rosentritt

Berlin. Luiz Carlos Goulart sieht im Moment gut aus. Im Weihnachtsurlaub hat er sich die brasilianische Sonne auf den Leib scheinen lassen, und jetzt, in der Berliner Kälte, wirkt seine Körperbräune unter all den bleichen Menschen fast ein wenig unnatürlich. Ob es Luiz Carlos Goulart, der sich Luizao nennt, auch gut geht, ist nicht bekannt. Vermutlich nicht. Am Mittwoch hat sich der Stürmer von Hertha BSC wegen einer Kapselüberstreckung im linken Knie einer Kernspintomographie unterziehen müssen. Im Training ist es passiert: Luizao stieg zum Kopfball-Zweikampf hoch, und als er wieder mit den Füßen auf dem Boden landete, „ist das Knie nach hinten durchgeschlagen“, berichtete Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher.

Herthas Trainer Huub Stevens konnte inzwischen die schlimmsten Befürchtungen von einer komplizierten Verletzung zerstreuen. Die Kernspintomographie ergab, dass das Knie nicht ernsthaft beschädigt ist. Luizao wird zwar in den nächsten zwei, drei Tagen noch behandelt werden müssen, soll nach Aussage von Stevens aber schon heute wieder mit dem Lauftraining beginnen. Ins Trainingslager in der Türkei wird er am Samstag auf jeden Fall mitreisen.

Trotzdem kommt die Verletzung mitten in der wichtigsten Phase der Vorbereitung auf die Rückrunde ziemlich ungelegen. „Das wirft ihn wieder aus dem Rhythmus“, sagt Stevens. Aus einem Rhythmus, den Luizao in diesem Jahr erst zu finden hofft. Im Sommer war der Stürmer als Mitglied der brasilianischen Weltmeistermannschaft nach Berlin gewechselt. Herthas Management feierte seine Verpflichtung als großen Coup, zumal auch andere Klubs als interessiert galten: Galatasaray Istanbul, Espanyol Barcelona und die beiden italienischen Vereine Lazio Rom und Reggina Calcio sollen ebenfalls mit ihm verhandelt haben. Im vergangenen Frühjahr hatte der Brasilianer mit seinem Berater eine regelrechte Bewerbungstour durch halb Europa gemacht.

Die große Freude über seine Verpflichtung ist längst Zweifeln gewichen, ob Luizao den Ansprüchen wird genügen können. Bisher hat er erst acht Bundesligaspiele bestritten, davon nur drei von Beginn an und lediglich eins über die volle Dauer. Als Luizao Ende Juli des vergangenen Jahres nach Berlin kam, war er völlig aus der Form geraten. Den Gewinn des WM-Titels hatte er in seiner Heimat ausgiebig gefeiert – ein bisschen zu ausgiebig vielleicht. Im Grunde hat Luizao diesen Trainingsrückstand aus der Saisonvorbereitung während der gesamten Vorrunde nicht aufgeholt. Ähnliches droht ihm auch jetzt wieder.

„Er muss vom Kopf und vom Körper hundertprozentig okay sein“, sagt Ricardo Moar, der Manager von Hannover 96. Er kennt Luizao seit mehr als fünf Jahren. Moar holte den Brasilianer 1997 zu seinem damaligen Arbeitgeber Deportivo La Coruña. Eine Saison lang spielte Luizao für den spanischen Erstligisten, in 13 Spielen schoss er vier Tore, danach kehrte er wieder in seine Heimat zurück. „Er hat immer Heimweh gehabt“, sagt Moar, „damals war er ja noch sehr jung.“

Während Luizao in La Coruña vor allem mentale Probleme hatte, scheint ihm in Berlin eher der Körper zu schaffen zu machen. Am Ende der Vorrunde fehlte er erneut vier Wochen lang. Anfang November, im Uefa- Cup-Spiel gegen Nikosia, hatte ihn sein Gegenspieler an der Wade verletzt. Mit einer tiefen Fleischwunde musste Luizao ins Krankenhaus gebracht werden. Der Ausfall war doppelt ärgerlich für ihn, weil er in diesem Spiel sein erstes und bisher einziges Tor für Hertha erzielt hatte.

Für Ricardo Moar ist Luizao „nicht der typisch brasilianische Spieler“, der trickst und zaubert, „er lebt mehr von seiner Kampfstärke“. Doch um diese Stärke einbringen zu können, muss er erst einmal richtig fit sein. Dass an seiner körperlichen Konstitution nach der neuen Knieverletzung grundsätzliche Zweifel bestehen, bestreitet Manager Dieter Hoeneß. „Es gibt kein generelles medizinisches Problem bei Luizao“, sagt er.

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