Sport : Am Strand der Leidenschaft

Robert Ide

Als der dicke gelbe Mann mit seinen Armen rudert, kippt die Stimmung. Einige Tausend Menschen mit nacktem Oberkörper springen von ihren Plastiksitzen, schwenken bunte Fahnen und beginnen zu zappeln, zu singen, zu schreien. Der dicke Mann mit dem gelben Brasilien-Shirt gibt das Kommando, er ruft: „We will, we will...“ – und das Stadion antwortet: „…rock you!“ Dann werfen die schwitzenden Zuschauer ihre Arme nach oben und jagen eine Welle durch das von der Mittagssonne erhitzte Rund. Unten werfen sich Cheerleader in orangefarbenen Bikinis in den Sand. Auf einer Anzeigetafel leuchtet: Willkommen bei den Olympischen Spielen 2004!

Das Beachvolleyball-Stadion liegt direkt am Meer, und die Zuschauer hier machen den Eindruck, als wollten sie sich nur mal kurz einen Hitzschlag holen, bevor sie ins Wasser springen. Hinter den Tribünen ziehen sich Männer Badehosen an, auf den Rängen stehen Helfer mit Wasserschläuchen, um die Feiernden nass zu sprühen. Aus den Lautsprechern schallt Musik. Es ist ein Fest aus heiterem Taumel und heiserem Gesang.

Natürlich sind auch Sportler da. Bei 40 Grad im Schatten, den es nicht gibt, springen sie am Netz auf und nieder, schmettern den Ball hin und her, ballen die Faust oder fluchen. Doch am Ende ist immer der dicke gelbe Mann der Gewinner. Als ein Ball knapp ins Feld fliegt, fragt der Stadionsprecher die Fans: „War der Ball im Feld oder draußen?“ Tausende halten kurz inne, sie blicken auf den verrückten Brasilien-Fan. Er rudert mit den Armen und brüllt: „Aus.“ Darauf schreien alle: „Aus! Aus!!!“ Musik wird eingespielt, Menschen werden nass gespritzt, und der Schiedsrichter verkündet: „Der Ball war aus.“ Da rufen die Zuschauer den Spielern zu: „We will rock you!“

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