Amateur-Klasse : Yaw Donkor: Mr. Afrisko

Yaw Donkor stand bei Hertha BSC an der Schwelle zum Profifußball. 2008 erfüllte er sich einen Traum und gründete den ersten afrikanischen Fußballverein Deutschlands.

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Yaw Donkor hat den ersten afrikanischen Fußballverein Deutschlands gegründet.
Yaw Donkor hat den ersten afrikanischen Fußballverein Deutschlands gegründet.Foto: 1. FC Afrisko

Von Migranten gegründete Vereine gibt es in Berlin viele. FK Srbija, SD Croatia, von den vielen türkisch-geprägten Klubs erst gar nicht zu sprechen. Aber warum gibt es eigentlich keinen afrikanischen Verein? Diese Frage stellte sich Yaw Donkor schon in den Neunziger Jahren. „Die Idee gab es immer wieder, aber keiner hat es in die Hand genommen“, erinnert sich der 36-Jährige. Ihm selbst fehlte lange die Zeit. Bei Hertha BSC galt Donkor einst als großes Talent, er spielte in einer Jugendmannschaft mit den späteren Bundesligaprofis Benjamin Köhler und Thorben Marx. Über die Regionalliga kam er dann zwar nie hinaus, die Idee eines eigenen Fußballvereins blieb aber. 2008 dann gründete Donkor – geboren in Ghana, aufgewachsen in Berlin – mit elf Mitstreitern den 1. FC Afrisko, den ersten afrikanischen Fußballverein Deutschlands.

Heute spielt Afrisko in der Kreisliga A. „Sportlich ist die Entwicklung super“, sagt Donkor, der hauptberuflich als Chauffeur arbeitet. Das Drumherum sei aber nicht einfach, die Strukturen fragil. „Wir bringen das Afrika-Feeling mit“, sagt Donkor und meint damit Musik, gute Laune, afrikanisches Essen. „Bei der Organisation würde ein bisschen deutscher Einfluss und Professionalität aber gut tun.“ Mittlerweile hat der in Gesundbrunnen beheimatete Verein etwa 120 Mitglieder aus über 30 Nationen. Zu 60 Prozent seien es Afrikaner, „die anderen sind die typische Berliner Mischung“, sagt Donkor, der Trainer, bester Torschütze, Vorsitzender und eigentlich Mädchen für alles ist. „Das ist eine Menge Arbeit, für mich ist Afrisko aber eine große Bereicherung.“

Wir stellen in dieser Rubrik besondere Typen aus unteren Ligen vor, egal ob Spieler, Fan oder Platzwart. Haben Sie Vorschläge? Schicken Sie eine E-Mail an sport@tagesspiegel.de

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