Amateurfußball : Die Kreisliga kocht

Die Amateurklubs wehren sich gegen Bundesligaspiele am Sonntagnachmittag. Während die Vereine im Ruhrgebiet streiken wollen, bleibt man in Berlin gelassen

Sebastian Stier

Berlin - In und um Gelsenkirchen brodelt es. Und das ausnahmsweise mal nicht bei Schalke 04. Die Klubs des Fußballkreises Gelsenkirchen/Gladbeck/Kirchhellen wollen einen Spieltag lang streiken. Am 1. März sollte auf Kreisebene kein Spiel angepfiffen werden, stattdessen planten die Vereine auf dem Gelände des SSV Buer eine große Protestveranstaltung. Die Aktion richtet sich gegen die Pläne der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Diese hat – zum Ärger der Amateurvereine – beschlossen, neben den sonntäglichen 17-Uhr-Spielen in der kommenden Saison eine weitere Begegnung um 15.30 Uhr anzusetzen. Ob es zum Streik kommt, ist seit gestern jedoch noch unklarer als zuvor: Aus Sorge um eine Eskalation hat der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) angeordnet, den Spieltag aller Kreisligisten abzusetzen und neu zu terminieren. Streikbefürworter Reiner Grundmann, Vorsitzender des SC Schaffrath, konnte dieser Entscheidung nur wenig abgewinnen: „Damit wurde uns der Wind aus den Segeln genommen.“

Am Montag hatte sich der DFL-Präsident Reinhard Rauball mit Klubvertretern getroffen, um über das Sonntagsspiel zu diskutieren. Rauball zeigte Verständnis für die Gegenseite, verdeutlichte aber auch die aus seiner Sicht bestehende Notwendigkeit eines Spiels am Sonntagnachmittag. Viele Vereine fürchten, aufgrund der Bundesligaübertragung ihre wenigen Zuschauer und ehrenamtlichen Helfer an die Bundesliga zu verlieren. Rauball versuchte, den Amateurvereinen einen Anreiz zu geben: Sein Klub Borussia Dortmund werde jedes Jahr gegen eine Amateurauswahl antreten, die Einnahmen aus diesem Spiel kämen den Amateuren zugute. Dieses Vorgehen wolle er allen Erst- und Zweitligisten empfehlen. Die Voraussetzung: „Es wird nicht gestreikt.“

In Berlin scheint kaum jemand die neuen Termine problematisch zu finden. „Ich kann ich mir nicht vorstellen, dass sich die Bundesliga am Sonntagnachmittag auf die Zuschauerzahlen bei uns auswirkt“, sagt Ralf Seibt, der beim Berliner Fußball-Verband für die Kreisliga zuständig ist. Auch bei den Klubs steht man einem möglichen Streik in Berlin skeptisch gegenüber. „Es gibt bei uns in der Kreisliga keinen Verein, der von den Zuschauereinnahmen abhängig ist“, sagt Michael Brodhuhn vom BSC Marzahn. Der 48-Jährige war lange Fanbeauftragter bei Hertha BSC und glaubt in Berlin nicht an einen Interessenkonflikt zwischen Profi- und Amateurfußball. „Hier herrscht nicht dieser Boom wie im Ruhrgebiet. Niemand würde merken, ob Hertha am Sonntag ein Heimspiel hat.“

So wie Brodhuhn denken viele Vereinsvertreter in der Stadt. Die Identifikation mit den Profiteams von Hertha oder Union scheint nicht so ausgeprägt zu sein wie im Ruhrgebiet. Vor allem im Ostteil der Stadt tragen viele Amateurteams ihre Spiele freiwillig am Samstagnachmittag aus – zu einer Zeit, in der Hertha und Union meist im Einsatz sind. Ähnlich verhält es sich im Umland. In Brandenburg werden alle Begegnungen auf Landesebene ebenfalls am Samstagnachmittag angepfiffen, meist unmittelbar vor dem Beginn der Bundesligaspiele. (mit dpa)

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