American Football : Die Nacht der Heiligen

Die New Orleans Saints ziehen zum ersten Mal in den Superbowl ein – die geplagte Stadt deutet das als Zeichen der Auferstehung.

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Der Football segelte durch die Luft, und mit jedem Yard schwoll der Lärm im Louisiana Superdome um ein paar Dezibel an. Als das Ei schließlich durch die Stangen rauschte, drohte das Stadion zu zerbersten. Durch den Kick von Garrett Hartley zum 31:28 nach Verlängerung gegen die Minnesota Vikings haben die New Orleans Saints zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Superbowl erreicht. Im Endspiel der American-Football-Liga NFL trifft New Orleans in zwei Wochen auf die Indianapolis Colts. Die Mannschaft um Quarterback-Star Peyton Manning besiegte im zweiten Halbfinale die New York Jets nach 6:17-Rückstand noch mit 30:17 und zog zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren ins Finale ein.

"Nach allem, was wir durchgemacht haben, ist dieser Erfolg das Großartigste, was die Stadt je erlebt hat“, schrie Reggie Bush ein paar Minuten nach Hartleys Kick in den Konfettiregen. Der Running Back der Saints war nicht der Einzige, der den Triumph als Auferstehung einer ganzen Metropole deutete. Kaum jemand in der Arena hatte vergessen, dass just an jenem Ort vor viereinhalb Jahren tausende Menschen nach dem Hurrikan „Katrina“ Zuflucht gesucht hatten. Oder dass die erfolglosen, aber beliebten Saints vor kurzem noch in eine andere Stadt umgesiedelt werden sollten. "Es gibt so viele Parallelen zwischen der Stadt und dem Team“, erklärte Quarterback Drew Brees, während draußen schon die Feierlichkeiten im French Quarter tobten. „Wir brauchen uns gegenseitig, um zu überleben.“

Das Überleben ihrer Titelhoffnungen hatten die Saints vor allem dem Gegner zu verdanken. Minnesota führte eigentlich in allen wichtigen Statistiken – aber eben auch in der allerwichtigsten. Insgesamt fünf Ballverluste, zumeist in aussichtsreichen Positionen, unterliefen dem Team. "Wir haben ihnen das Spiel geschenkt“, sagte Running Back Adrian Peterson. "Zu viele Turnovers.“ Den folgenreichsten Fehler leistete sich Brett Favre. 14 Sekunden vor Schluss hatte die Quarterback-Legende seine Mannschaft beim Stand von 28:28 in Position für ein siegbringendes Fieldgoal gebracht – und warf den Ball dann zum Gegner. Das Spiel ging in die Verlängerung, in der Favre machtlos von der Seitenlinie aus zusehen musste, wie die Saints zum Sieg marschierten. Es war ein Déjà vu: Vor zwei Jahren war er mit den Green Bay Packers nach einem Fehlpass auf die gleiche Weise einen Schritt vor dem Superbowl gescheitert. "Ich fühle mich einfach leer“, erklärte der 40-Jährige hernach tonlos und gezeichnet. Ob er im nächsten Jahr einen erneuten Anlauf auf den Titel unternehmen wird, ließ Favre offen. "Ich weiß nicht, ob ich körperlich und mental noch eine Saison schaffe. Ich gehe jetzt nach Hause und bespreche alles mit meiner Familie.“

Dort wird er sicher auch den Superbowl verfolgen. Das Endspiel in Miami zwischen den beiden besten Teams der regulären Saison verspricht schließlich ein Offensivspektakel zu werden. Außerdem spielt eine Mannschaft mit, für die sein Herz schon seit Kindheitstagen schlägt, weil Favre nur ein paar Meilen entfernt aufgewachsen ist: die New Orleans Saints.

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