American Football : Zum Titel verteidigen

Die Defensive der Berlin Adler soll heute im Finale des Football-Europapokals den Unterschied machen.

Anke Myrrhe

Berlin - Lediglich Mario Barth macht den Adlern etwas Sorgen. Der Comedian füllt heute das Olympiastadion, während das American Footballteam den Jahnsportpark füllen will. Ansonsten hat die Mannschaft nämlich eigentlich einen sehr guten Zeitpunkt abgepasst für das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte. Das sportliche Sommerloch in Berlin könnte dem Team heute Abend mehr Zuschauer bescheren, als die rund 1400, die sonst zu den Ligaspielen kommen. Der Hauptgrund dafür ist aber dennoch ein sportlicher: Die Berlin Adler können heute gegen den italienischen Tabellenzweiten Parma Panthers zum ersten Mal den Efaf-Cup gewinnen.

„Das wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte“, sagt Presse- und Stadionsprecher Roman Motzkus. „Wir haben zwar schon fünf Mal die deutsche Meisterschaft gewonnen, aber ein europäischer Titel fehlt uns noch. So oft kommt diese Gelegenheit nicht, das letzte Finale vor 17 Jahren haben wir verloren.“ Der Efaf-Cup ist vergleichbar mit dem Fußball-Uefa-Cup und neben der European Football League der wichtigste europäische Titel.

Aber nicht nur beim heutigen Saisonhöhepunkt ist der Zuschauerzuspruch bei den Adlern in dieser Saison etwas größer. Die Auflösung der NFL Europa im vergangenen Jahr trägt ihren Teil dazu bei. Die Tochter der großen Nordamerikanischen Football-League (NFL) wurde im Juni 2007 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen und mit ihr die sechs vertretenen Teams. Eines davon war Berlin Thunder, deren fünf Heimspiele im Jahr regelmäßig ein Spektakel waren. Rund 15 000 Zuschauer kamen im Schnitt, viele vor allem wegen der großen Show, des Events. Doch zumindest der Anteil der „reinen Footballfans“ findet nun teilweise den Weg zu den Adlern in den Jahnsportpark. Seit der Auflösung von Thunder gibt es zumindest in Berlin keine Alternative, Football zu gucken. Gerade für die echten Fans ist ein Spiel auf hohem europäischen Niveau, wie es heute Abend zu erwarten ist, da attraktiv. Die Verantwortlichen rechnen mit circa 3000 Zuschauern, der Vorverkauf lief das letzte Mal so gut, als die Adler 2004 die Deutsche Meisterschaft (German Bowl) gewannen.

Zwar diente die NFL Europa vor allem talentierten Spielern aus den USA dazu, in Europa Spielpraxis zu sammeln und sich für die amerikanische NFL zu empfehlen. Aber auch einige deutsche Talente wurden integriert, wie zum Beispiel Oliver Flemming, der in den vergangenen drei Jahren sowohl für die Adler als auch für Thunder spielte. Für den Nationalspieler war das ein kurzer Traum, nach der Auflösung der NFL Europa musste er in seinen alten Beruf zurückkehren und spielt wieder ausschließlich für die Adler. Das hat auch einen Vorteil, denn in den vergangenen Jahren fehlte er in den ersten Spielen der Adler in der German Football League (GFL) , weil er für Thunder im Einsatz war. „Es ist ein Vorteil für uns, dass er jetzt von Beginn an voll einsatzfähig ist. Auch wenn es ihn natürlich auch sehr weiter gebracht hat, für Thunder zu spielen“, sagt Motzkus. Flemming selbst ist deswegen umso mehr motiviert, seinen ersten europäischen Titel zu gewinnen. Für den 28-Jährigen war die Deutsche Meisterschaft 2004 der bislang größte Erfolg.

Heute wird Flemming, der auf der Verteidiger-Position „Safety“ spielt, einer der wichtigsten Spieler auf dem Feld sein. „Ich bin wie eine Art Libero, der letzte Mann auf dem Feld, der niemanden mehr durchlassen darf“, sagt Flemming. Und vor allem auf die Verteidigung wird es ankommen. Selbstbewusst bezeichnet Flemming diese als „die beste Verteidigung Europas. Aber Parma ist für die starke Offensive bekannt. Ich bin mir sicher das es ein hartes Spiel wird – mit dem besseren Ausgang für uns.“ Eine alte Football-Weisheit spricht dafür: Offense sells tickets, defense wins championships – das heißt frei übersetzt: Mit einer guten Offensive verkauft man Tickets, die Defensive gewinnt die Titel. Keine schlechte Aussicht für all jene Zuschauer, die sich gegen Mario Barth entscheiden.

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