America's Cup : Bank-Nachfolger nach Valencia-Debakel gesucht

18 Niederlagen, zwei Siege: Die Bilanz des Team Germany beim America's Cup in Valencia ist ernüchternd. Ein Abgang von Teamchef Jesper Bank ist nun wohl sicher.

Valencia - Nach dem "Untergang" der deutschen America's-Cup-Segler vor Valencia soll Jochen Schümann den erfolglosen Skipper Jesper Bank beerben. Die Verantwortlichen der ersten deutschen Kampagne in der 156-jährigen Cup-Geschichte führen schon Gespräche mit möglichen neuen Führungsfiguren. Doppel-Olympiasieger Bank, dessen Team auch am Finaltag der Vorrunde ohne die ersehnten Ehrenpunkte blieb und dem italienischen Team +39 Challenge mit 30 Sekunden Rückstand unterlag, scheiterte in dem Mannschaftssport vor allem an seinem autoritären Führungsstil.

In den vergangenen zwei Jahren waren diverse Mitglieder der Crew ausgemustert worden. Bereits in den vergangenen Tagen hatte Bank seinen Posten als Sportdirektor mehrfach zur Disposition gestellt. Die von ihm gewünschte "lange Pause" könnte endgültig sein, denn der 50-Jährige "will dem deutschen Team nicht im Wege stehen. Es soll ja für die Zukunft nicht schlechter werden."

Kommt Schümann?

Wunschkandidat auf dem Weg aus der Misere bleibt Schümann. Im Ringen um den richtigen Kurs in eine bessere Zukunft der im ersten Anlauf kläglich gescheiterten deutschen Cup-Jäger spielt Alinghis Sportdirektor eine zentrale Rolle. Doch der Wahl-Penzberger ist genervt von den öffentlichen Avancen der Deutschen. Der dreimalige Olympiasieger hat sich unter Hinweis auf sein laufendes Engagement für den Schweizer Titelverteidiger vorerst alle Spekulationen verbeten. "Zunächst einmal habe ich hier bei Alinghi eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Außerdem fühle ich mich hier wohl."

Parallel sucht die deutsche Projektleitung in Geheimtreffen nach weiteren neuen Top-Seglern für die geplante Folgekampagne. "Wir führen Gespräche mit verschiedenen Leuten", sagte Teamchef Michael Scheeren, der einräumt, dass das Team Germany seine Ziele mit Platz zehn unter elf Herausforderern "klar verfehlt" habe. Auch an dem Wunsch von Team-Inhaber Ralph Dommermuth segelte die "Germany eins" vorbei. Der Internet-Unternehmer hatte gefordert: "Das Team soll in alle Richtungen einen vernünftigen Eindruck machen. Wichtig sind Kriterien wie sportlicher Erfolg, Skandalfreiheit und sympathischer Auftritt."

Radikaler Kurswechsel erwartet

Damit ist das United Internet Team Germany bis Ende des 32. America's Cups Anfang Juli zum Warten verdammt, denn ohne Zu- oder Absage des begehrten Schümann können nur schwerlich Top-Leute geholt werden, die dann womöglich nicht in Schümanns Konzept passen. Am Donnerstag sollen erste Zukunftspläne erläutert werden. Von der Bekanntgabe erwarten Insider die Ankündigung eines "für deutsche Verhältnisse überraschenden" radikalen Kurswechsels. Neues wird für zwei Bereiche erwartet: Die Personalstruktur und das Sponsorengefüge.

Nachdem sich am Mittwoch sieben Herausforderer aus dem Wettbewerb verabschieden mussten, standen die vier Teilnehmer für die Halbfinal-Duelle (vom 14. Mai an) fest. Im Spitzenduell des Tages hatte der zweimalige Cup-Sieger Team New Zealand das bisher dominierende US-Team BMW Oracle mit 1:34 Minuten Vorsprung im Ziel deklassiert. Damit haben die Neuseeländer die Vorrunde gewonnen und dürfen sich ihren Gegner aus den drei anderen Qualifikanten selbst wählen. Ermittelt wird in der Herausforderer-Runde der Gegner für Titelverteidiger Alinghi. Das 32. Match um den America's Cup beginnt am 23. Juni.

Keine Ehrenpunkte

Die deutsche America's Cup-Mannschaft hatte sich am Nachmittag ohne die erhofften Ehrenpunkte verabschiedet. Auch das italienische Team +39 Challenge war zu stark für Skipper Jesper Bank und seine Crew und hatte nach eineinhalbstündigem Rennen 30 Sekunden Vorsprung im Ziel. Die ernüchternde Bilanz der deutschen America's Cup-Premiere liegt bei 18 Niederlagen und nur zwei Siegen gegen die Außenseiter aus China. (tso/dpa)

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