Sport : Amerika erobert Hohenschönhausen

Fünf Profis aus den USA mehren Erfolg und Ansehen der Eisbären

Claus Vetter

Berlin. Es war eine Überraschung, für viele gar ein Wunder – das Miracle on Ice. Ein Ereignis, das nach Meinung vieler US-Amerikaner selbst der Papst als solches zu segnen hat. Der Antrag, ein 22 Jahre zurückliegendes Sportereignis mit höheren Weihen zu versehen, liegt immer noch unbearbeitet im Vatikan: 1980, in der Endrunde des Olympischen Eishockeyturniers von Lake Placid, hatte sich eine amerikanische College-Auswahl mit Spielern aus Minnesota den Weg zur Goldmedaille mit einem 4:3 gegen die damalige Eishockeyweltmacht UdSSR geebnet.

Das war eine Konstellation, die es heute im Eishockey nicht mehr gibt: Wenn eine Auswahl aus den USA antritt, dann selten als Außenseiter. Der Olympiasieg von 1980 war die Initialzündung für die Sportart in den USA. „Vor der Goldmedaille von Lake Placid existierte Eishockey in den Staaten doch überhaupt nicht", sagt Keith Aldridge, aus Detroit stammender Verteidiger vom EHC Eisbären. Ein wenig übertrieben, aber nicht ganz falsch: Abseits der Hochburgen Minnesota und Colorado war der Sport von Aldridge tatsächlich in den USA nicht populär. Vielleicht für ein paar Fans in Chicago, Boston oder Detroit, aber weniger als aktiv betriebene Sportart.

1980 waren in der National Hockey-League (NHL) noch zu über 90 Prozent Kanadier aktiv, 22 Jahre später kommt jeder sechste Spieler in der NHL aus den USA. Zudem sind seit damals über ein Dutzend neuer Klubs aus den USA in der Liga dazugekommen. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis diejenigen Spieler, die in der besten Liga der Welt keinen Stammplatz ergattern, ihr Glück andernorts versuchen. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zum Beispiel. Dort sind US-Amerikaner nach Akteuren aus Kanada und Schweden die drittgrößte Gruppe von Spielern aus dem Ausland und sind von der Statistik her derzeit sogar die erfolgreichsten überhaupt.

Gleich fünf der momentan 15 besten Scorer in der DEL kommen aus den USA. Besagte Herren haben alle den gleichen Arbeitgeber, den EHC Eisbären. „Kein Wunder, sondern ein Zufall", glaubt Mark Beaufait. Der 32-jährige Stürmer der Eisbären ist zur Zeit der Topskorer in der DEL. „Es ist doch keiner angekommen und gesagt, wir wollen hier in Berlin vor allem Amerikaner", sagt der aus dem US-Bundesstaat Michigan kommende Beaufait. So sieht es auch sein in Kalifornien geborener Kollege David Roberts. „Ob Kanadier oder Amerikaner, das spielt in der NHL auch nicht so eine große Rolle", sagt Roberts und räumt dann doch ein, dass die Ausgangslage für ihn als Amerikaner bei den Eisbären sehr gut sei: „Schließlich kennen wir uns alle fünf schon lange, auch von gemeinsamen Spielen im Team USA." Roberts – Olympiateilnehmer 1994 in Lillehammer – und seine vier Landsleute John Gruden, Kelly Fairchild, Keith Aldridge und Mark Beaufait werden beim Deutschland-Cup im November allesamt für die USA spielen. Schuld daran ist Pierre Pagé. Der Trainer der Eisbären hat seinem amerikanischen Kollegen Lou Vairo, dem Coach von Team USA, alle fünf Amerikaner aus Berlin empfohlen.

Und spätestens beim Deutschland-Cup werden Roberts und Kollegen die Freundschaft mit dem ein oder anderen Mitspieler der Eisbären für ein paar Tage einfrieren müssen. Etwa, wenn es gegen Team Kanada mit Eisbären-Stürmer Steve Walker geht. Denn Eishockey hat für die amerikanische Sportseele seit 1980 eine große Dimension. Ein Sieg gegen den kleinen aber im Eishockey immer noch dominierenden Nachbarn aus dem Norden ist immer willkommen.

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