Sport : Amerika macht ernst

Friedhard Teuffel

Es gab bisher viele Orte auf der Welt, an denen sich Dopingbetrüger wohl fühlen durften. Ab und zu kam ein Kontrolleur vorbei, und wenn das Ergebnis einmal positiv ausfiel, dann ließen es die Sportfunktionäre auch mal verschwinden. Es ging schließlich um nationale Interessen. Doch diese weißen Flecken auf der Dopinglandkarte werden weniger. Osteuropa gehört noch dazu, von China weiß man es nicht genau, aber es wächst der Glaube, dass es die Amerikaner ernst meinen mit dem Kampf gegen die Manipulation. Dafür ist die positive Probe des Sprinters Justin Gatlin ein guter Beleg.

Sie zeigt, dass die Amerikaner nicht davor zurückschrecken, ihre besten Sportler zu überführen. Das war bisher anders, der US-Leichtathletikverband hielt positive Testergebnisse unter Verschluss, auch von Carl Lewis, dem neunmaligen Olympiasieger. Doch gerade die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA geht nun mit Konsequenz vor. Der Skandal um das kalifornische Balco-Labor hat den Amerikanern wohl verdeutlicht, dass ihr Land eine Keimzelle der Sportkriminalität ist und sie mit laschem Vorgehen den Sport im Ganzen gefährden. Daraufhin gelang es der USADA sogar, den 100-Meter-Weltrekordler Tim Montgomery allein aufgrund von zusammengetragenen Dokumenten aus der Balco-Affäre sperren zu lassen, obwohl er nie positiv getestet worden ist. Nun ist Olympiasieger Gatlin auffällig geworden, sein Testergebnis ist jedoch nicht eindeutig. Dass die USADA nicht mit Triumphgeheul an die Öffentlichkeit gegangen ist, zeigt wohl ebenso, dass sie ihren Kampf fair führt – auch gegenüber dem Athleten.

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