• Amerikanisches Märchen: Die 17-Jährige Melanie Oudin besiegt erst Dementjewa, dann Scharapowa

Amerikanisches Märchen : Die 17-Jährige Melanie Oudin besiegt erst Dementjewa, dann Scharapowa

Sie ist die Überraschung der US Open: Melanie Oudin. Lange sah es so aus, als käme hinter den Williams-Schwestern überhaupt nichts nach. Nun glaubt Amerika bei den US Open wieder an seinen Tennis-Nachwuchs.

Anke Myrrhe[New York]
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Der neue Liebling. Melanie Oudin begeistert das amerikanische Publikum und soll eines Tages die erfolgreichen Williams-Schwestern...EPA

Für einen kurzen Moment schien der Himmel über dem Arthur-Ashe-Stadium rosarot zu leuchten. Was da unten gerade geschehen war, entzückte die amerikanischen Tennisfans so sehr wie zuletzt der Titel von Andy Roddick 2003. Das US-Fernsehen präsentierte das Geschehene als möglicherweise „den Moment“ der diesjährigen US Open: Die 17 Jahre alte Melanie Oudin aus den USA besiegte erst Elena Demetjewa, Nummer vier der Welt, 5:7, 6:4, 6:3 und dann am Samstag die ehemalige Weltranglistenerste Maria Scharapowa 3:6, 6:4 und 7:5 und gab ihren Landsleuten damit Anlass zur Hoffnung, dass auch bei den Frauen nach dem Karriereende der Williams- Schwestern in den USA Tennis auf Spitzenniveau gespielt werden könnte.

In den vergangenen Jahren gab es nämlich gerade im US-Frauentennis wenig Grund zu Optimismus. Lange sah es so aus, als käme hinter den Williams-Schwestern überhaupt nichts nach. „Man konnte nur hoffen, dass Venus und Serena immer weiter spielen werden“, sagt Ola Malmquist, der beim US-Tennisverband USTA für die Frauen zuständig ist. Doch bei den Williams-Schwestern weiß man nie so genau, was die Zukunft bringt. Die 27 Jahre alte Serena hat kürzlich ein Buch veröffentlicht („On the Line“), die zwei Jahre ältere Venus hat ihr eigenes Modelabel und gemeinsam spielten die beiden in einer Reality-Soap. Zwar sind sie inzwischen wieder die Nummer zwei und drei der Weltrangliste, doch der Fokus der Schwestern liegt nur dann auf Tennis, wenn es ihnen gerade gefällt.

Ungeduldig warteten viele amerikanische Tennisfans auf eine Spielerin, die mit Richard Williams, dem exzentrischen Vater der beiden, nichts zu tun hat. Melanie Oudin könnte da genau die richtige sein. „Believe“ hat sie auf ihre pink-gelben Schuhe schreiben lassen und erzählt mit dem strahlenden Lächeln eines High-School-Cheerleaders, dass ihr Boyfriend sie auf diese Idee gebracht habe und dass es doch eigentlich immer nur darum ginge: an sich zu glauben. Worte, bei denen der durchschnittliche amerikanische Zuschauer dahinschmilzt.

Doch nicht nur ihretwegen blickt Ola Malmquist hoffnungsvoller in die Zukunft. „Wir haben eine gute Gruppe von Nachwuchsspielerinnen“, sagt er. „Nicht solche, die morgen einen Grand Slam gewinnen werden, aber es kommt auf jeden Fall etwas nach.“ Der Schwede ist gerade dabei, 25 Trainingszentren im gesamten Land aufzubauen. Während die Entwicklung bei den Frauen seiner Ansicht nach noch in der Anfangsphase ist, brauchen sich die Männer schon seit längerem keine Sorgen um das Karriereende von Andy Roddick und James Blake mehr zu machen. Eine Reihe talentierte Spieler wächst dort heran: Allen voran Sam Querry, aber auch John Isner, die beide in New York die dritte Runde erreichten.

Insgesamt schafften zehn Amerikaner den Einzug in die dritte Runde der US Open. Ein Fakt, der für die Besucherquoten des Turniers natürlich äußerst wichtig ist. Tennis hat traditionell einen schweren Stand gegen die beliebteren Sportarten wie Football, Baseball, Basketball oder Eishockey in den Vereinigten Staaten. „Aber Tennis ist wieder im Aufwind“, sagt Malmquist. Die Zuschauerzahlen der US Open sprechen in jedem Fall dafür: Bis einschließlich Montag ist das Turnier schon jetzt komplett ausverkauft, nahezu jeden Tag wird ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt. „Das liegt auch an den Spielern, die derzeit vorne sind. Federer, Nadal, aber auch die Williams-Schwestern“, sagt Malmquist. „Sie sind großartige Vorbilder für die Kinder.“

Selbstverständlich war das auch bei Melanie Oudin so. „Die Williams’ waren meine Idole, ich habe immer mitgefiebert, seit ich klein war“, sagt sie. Was den Amerikanern aber vor allem Anlass zur Hoffnung geben darf, ist, dass Oudins Siege nicht etwa der Schwäche der Favoritinnen geschuldet war. Scharapowa servierte zwar 21 Doppelfehler, doch die junge Amerikanerin spielte auf höchstem Level und war in beiden Matches die bessere Spielerin auf dem Platz.

„Sie hat mich geschlagen und nicht ich mich selbst“, sagte Jelena Dementjewa anerkennend. Bereits in Wimbledon hatte Oudin als Qualifikantin die vierte Runde erreicht und unter anderen Jelena Jankovic geschlagen. „Das hat mir hier sehr geholfen“, sagte Oudin, die vor allem dadurch beeindruckte, dass ihr die 23 000 Zuschauer im größten Tennisstadion der Welt keine Angst zu machen schienen. „Ich liebe es“, sagte sie strahlend, „ich will nie wieder woanders spielen.“

Es sieht ganz gut aus für die US-Frauen bei ihrem Heimturnier: Ungefährdet zogen die Williams-Schwestern bereits ins Achtelfinale ein, während sich in Ana Ivanovic, Jelena Jankovic und Dank Melanie Oudin auch Elena Dementjewa und Maria Scharapowa frühzeitig drei Favoritinnen verabschiedet haben.

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