Sport : Amerikanisches Solo

Keiner trifft bei den Eisbären häufiger als Kelly Fairchild

Claus Vetter

Berlin. Hibbings bekanntester Sänger hat gestern in Berlin gespielt. Bob Dylan gab ein Konzert in der Arena. Der erfolgreichste, aus der Kleinstadt im US-Bundesstaat Minnesota stammende Sportler hatte schon tags zuvor groß aufgespielt. Und zwar im Freiburger Eisstadion. Mit drei Toren in zehn Minuten hatte Kelly Fairchild beim Spiel der Eisbären nach 2:4-Rückstand dafür gesorgt, dass die Berliner 5:4 gewannen. Es waren die Saisontore acht bis zehn für den Stürmer des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga.

Der Hattrick von Freiburg mag so etwas wie eine Befreiung für Fairchild sein. Bislang eilte dem 30-jährigen Stürmer doch der Ruf voraus, in entscheidenden Momenten eher unauffällig zu sein: Vergangene Saison war Fairchild mit 52 Punkten hinter Teamkollege Mark Beaufait zweitbester Skorer in der DEL. In den Play-offs war er nicht so erfolgreich. Fairchild landete da in dieser Wertung nur auf Platz 22. Auch sind seine Daten aus der NHL wenig beeindruckend. Er kam für Toronto, Dallas und Colorado auf insgesamt 34 Einsätze, das ganze über sieben Jahre verteilt. Trotzdem sieht sich Fairchild nicht als gescheitert in der besten Profiliga Nordamerikas: „Ich kann von mir sagen, dass ich in der NHL gespielt habe, das können nicht viele von sich behaupten.“

Vom Fairchild-Festival in Freiburg zeigte sich sein Hauptdarsteller nach außen hin unbeeindruckt. Der Amerikaner wollte seinem Hattrick keine große Bedeutung beimessen. Vielleicht lag das auch an seinem Trainer. Pierre Pagé war nach dem Spiel beim Tabellenletzten nur mittelmäßig zufrieden. „Erst waren wir unglücklich, dann hat uns Kelly glücklich gemacht, sagte er. „Aber trotzdem: Vier Gegentore gegen Freiburg, das war einfach zu viel.“ Für einen Tabellenführer mag das stimmen. Immerhin, solange Fairchild und Kollegen des Gegners Tor treffen oder auch nur die Latte reicht es ja: Das 1:0 von Roberts am Freitag beim 5:4 der Eisbären gegen Ingolstadt zählt. Die Bayern hatten gegen die Wertung der Partie protestiert – vergeblich. Die Fehlentscheidung sei eine „nachträglich unüberprüfbare Tatsachenentscheidung“, heißt es von der DEL.

An Fairchilds Hattrick vom Sonntag gab es nichts zu mäkeln, zur Freude von Eisbären-Manager Peter John Lee. „Wenn Kelly auf dem Eis ist, dann passiert meistens etwas“, sagt der. Gelernt ist eben gelernt. Kelly Fairchilds Erinnerung an die Lehrjahre in der Heimatstadt Hibbing klingen übrigens wenig spannend. „Für einen Jugendlichen ist es da nicht sehr aufregend“, sagt er. „Dort bleibt dir nur eins, du spielst Eishockey.“ Oder machst Musik, wie Bob Dylan und suchst dann das Weite. Letzteres eint den Protestsänger und den Eishockeyprofi: Fairchild hat die 18 000-Einwohner-Stadt mit 15 Jahren verlassen.

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