Sport : Amoroso!

Ein Brasilianer lässt Dortmunds von besseren Zeiten träumen

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Von Felix Meininghaus

Dortmund. Es war kurz vor halb elf an einem kühlen Mittwochabend, als ein einziger Schrei das Dortmunder Westfalenstadion erfüllte: „Amoroso!“ Der brasilianische Stürmer in Diensten des Deutschen Meisters hatte zwölf Minuten vor der Explosion der Gefühle nach langer Verletzungspause seinen Dienst wieder aufgenommen und auf Anhieb das getan, was er am besten kann: Amoroso umspielte nach feinem Zuspiel von Lars Ricken den gegnerischen Torhüter und schob den Ball zum 2:0 ins Tor.

Es war die 78. Minute in der Champions- League-Begegnung des BVB gegen AJ Auxerre, und sie war für alle Anhänger von Borussia Dortmund wie die Verheißung besserer Zeiten. Wie einen Messias hatten die Fans auf der Südtribüne die Rückkehr des an einer hartnäckigen Achillessehnenreizung leidenden Exzentrikers herbeigesehnt. Am Ende hatten die Dortmunder ihren französischen Gegner mit 2:1 geschlagen und damit ihren ersten Sieg in der Champions League gelandet.

Die an Hysterie grenzende Euphorie hat durchaus ihre Berechtigung. Wer sonst könnte dem BVB den Weg aus der spielerischen Armut weisen, wenn nicht der Star aus Brasilien? Die Partie gegen AJ Auxerre erbrachte wieder einmal den Nachweis, dass die Dortmunder derzeit meilenweit von einer Form entfernt sind, die es ihnen erlauben könnte, in der Champions League höhere Ambitionen anzustreben. Anstatt sich von der Führung durch Jan Kollers frühes Tor inspirieren zu lassen und munter weiter zu kombinieren, verfielen die Dortmunder erneut in dumpfes, unansehnliches Ballgeschiebe. Bei der Ursachenforschung für all die Unzulänglichkeiten des hoch bezahlten Ensembles tun sich die Beteiligten weiterhin schwer. Lars Ricken, der in der Schluss-Viertelstunde gegen Auxerre ebenfalls ein beachtliches Comeback gab, ist aufgefallen, „dass es bei uns schon die ganze Zeit nicht richtig rund läuft“.

Vielleicht ändert sich das ja jetzt mit der Rückkehr von Marcio Amoroso. Um den Star drehte sich nach dem Spiel alles, auch wenn der Brasilianer so schnell entschwunden war, dass die Journalisten vergeblich warteten. Dafür gaben die Kollegen reichlich Auskunft: Torhüter Jens Lehmann fand es „fantastisch, wie uns der Marcio heute zum Sieg geschossen hat. Wir können glücklich sein, einen solchen Spieler zu haben.“ Und Jan Koller wirkte über Amorosos Rückkehr geradezu erleichtert, „weil sie uns mehr Tore und Qualität im Sturm garantiert“.

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