Sport : Amtlich Erster

Benedikt Voigt

Es gibt Menschen, die betrachten die Sportart Biathlon mit Argwohn. Mit einem Gewehr auf dem Rücken durch die Winterlandschaft zu laufen, mutet für sie seltsam an. Zumal man inzwischen sein Reh nicht mehr selber schießt, sondern es beim Fleischer kauft. Es gibt sogar Zyniker, für die Biathlon eine typisch deutsche Sportart ist: schießen und wegrennen. Es dürften sich aber nicht mehr viele finden, die so denken. Für die Mehrzahl ist Biathlon die interessanteste Sportart des Winters.

Das gibt es jetzt auch amtlich. Am Freitag duellierte sich Biathlon im Fernsehen erstmals in diesem Winter mit dem Skispringen. Während das ZDF Biathlon aus Ruhpolding übertrug, sendete RTL zeitgleich Livebilder von der Skiflug-Weltmeisterschaft. Am nächsten Tag meldete der „Sportinformationsdienst“ den Sieg des Gewehrlaufes. Drei Millionen Zuschauer wollten Biathlon sehen, 2,75 Millionen entschieden sich für das Skifliegen. Damit ist Biathlon endgültig die Nummer eins des Winters.

Die Ursache ist einfach: Im Biathlon gibt es deutsche Helden, im Skispringen nicht mehr. Die Stars heißen Kati Wilhelm, Uschi Disl, Sven Fischer und nicht Michael Uhrmann, Georg Späth oder Alexander Herr. Daran dürfte sich in den nächsten Jahren nichts ändern. Biathlon beruht nicht auf einem kurzen Hype wie das Skispringen, „Bravo-Sport“ und „Yam“ interessieren sich nicht für Männer und Frauen mit Gewehren, der „Playboy“ auch nicht. Wichtig ist auch, dass es mehr als nur zwei Helden gibt, wie das im Skispringen mit Martin Schmitt und Sven Hannawald der Fall war. Die neue Popularität hat Substanz. Es ist an der Zeit, sich ernsthaft mit Biathlon zu befassen. Auch für die Spötter.

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