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An Depression erkrankter Eisbären-Verteidiger : Constantin Braun trainiert wieder

Constantin Braun ist zurück in Berlin. Anfang August hatte der Verteidiger seine Karriere wegen der Behandlung seiner akuten Depression unterbrochen, am Dienstag nimmt er nun erstmals wieder am Mannschaftstraining teil.

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Vergangene Saison bester Verteidiger der Eisbären. Constantin Braun.
Vergangene Saison bester Verteidiger der Eisbären. Constantin Braun.Foto: Imago

Es ist halb elf als Constantin Braun am Dienstagmorgen die Mannschaftskabine der Eisbären Berlin verlässt. Entschlossen stapft er zur Eisfläche im Sportforum Hohenschönhausen. Als er sie betritt, klopfen ein paar seiner Mannschaftskollegen mit dem Schläger auf das Eis. Anerkennender, aufmunternder Beifall für Braun vor seiner vielleicht schwierigsten Trainingseinheit. Denn sie ist ein erster Schritt zurück in die Öffentlichkeit, aus der sich der Eishockeyprofi Constantin Braun vor 13 Wochen zurückgezogen hat. Am 2. August hatte er seine Erkrankung unter der er seit Jahren leidet öffentlich gemacht, hat erklärt, dass er eine akute Depression hat und sich zur Therapie nach Süddeutschland verabschiedet.

Die Rückkehr ins Berufsleben „ist ein Teil meiner Therapie“, sagt er. Braun, 1,91 Meter groß, ist eine stattliche Erscheinung. Ein Baum von einem Kerl. Der Mann mit den tätowierten Armen und dem modernen Vollbart. Der Verteidiger mit dem strammen Schlagschuss wirkte in seiner Karriere oft so, als könne ihn nichts umhauen. Er war präsent auf dem Eis und abseits der Eisfläche. Einen markigen Spruch hatte er immer übrig, auch für die Gegner und Selbstzweifel ob der eigenen Leistung schienen ihm fremd. Doch hinter der Fassade des Selbstbewusstsein verbarg sich ein anderer Mensch. Und als der ist er am Dienstag zu den Eisbären zurückgekehrt.

Der vor 25 Jahren in Hessen geborene Braun ist sich dessen bewusst. Er lächelt als, er ein paar nette Dinge sagt. Vielleicht versteckt er sich hinter diesem Lächeln. Einmal packt er seine Gefühlslage in vorsichtige Worte: „Ich hatte von meiner Seite ein wenig Scheu nach all den Wochen“, sagt er. „Aber die Begrüßung in der Kabine war sehr herzlich.“ Zwei Wochen lang will er in Berlin mittrainieren und Zeit mit der Familie verbringen. Danach geht es für ihn zurück in den Südwesten in die Klinik. Wenn alles gut läuft, dann könne er danach bei seiner nächsten Rückkehr nach Berlin weiter trainieren. „Und dann – Eishockey“, sagt er und lächelt. Aber der sportliche Weg hängt allein von der Rückkehr des Menschen Constantin Braun ins Leben ab.

Braun stand seit April nicht mehr auf dem Eis und hat sich in den vergangenen Monaten mit Waldläufen und im Fitnessstudio in Form gehalten. Trainer Jeff Tomlinson hat ihn vor dem Training gefragt, ob er alle Übungen mitmachen will. „Na klar“, hat Braun gesagt. Und er kämpft alle Übungen mit, macht insgesamt eine gute Figur und kommt natürlich hier und da einen Schritt zu spät. Und mitunter entsteht der Eindruck, dass sich die Kollegen im Laufduell ein wenig einbremsen. Es ist eben ein etwas anderes Training. Tomlinson sagt später. „Es war gut für die Stimmung im Team, das er wieder da ist, Constantin macht athletisch einen guten Eindruck.“ Zu der unsinnigen Prognose, wann er wieder mit seinem spielerisch besten Verteidiger rechnen kann, lässt sich der Trainer nicht hinreißen.

Als das Training vorbei ist, posiert Constantin Braun noch für ein paar Fotos mit den Fans, die zugeschaut haben. Ein Stück Normalität in einem Leben, in dem zuletzt wenig alltäglich war. Dann läuft er zu seiner Mutter, die auch im Stadion ist. Wenig später sagt er: „Es hat viel Spaß gemacht auf dem Eis zu sein. Mal zu spüren, dass ich wieder Eishockey spielen kann.“ Verfolgt habe er die Spiele der Eisbären sowieso und zum Glück hätten sie ja nun auch mal zwei Spiele gewonnen. Erst kürzlich habe er ein Spiel von ihnen gesehen. In Schwenningen. Dort schaut er sich, unweit seiner Klinik, ab und an ein Spiel der Deutschen Eishockey-Liga an.

Der erste Schritt zurück hat geklappt für Constantin Braun. Der erste kleine Schritt. Denn eine akute Depression ist keine Krankheit, die ein Mensch mal eben so wegatmet wie eine Erkältung. Aber die Krankheit ist therapierbar. Constantin Braun hat ein realistisches Verhältnis dazu. Er sagt nach seinem ersten Eistraining seit April: „Alles andere was jetzt passiert, ist Bonus.“

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