Sport : An Emscher, Rhein und Autobahn

Die Deutschen veranstalten jetzt auch die Europameisterschaft der Fußball-Junioren 2004 – in kleinen Stadien

André Görke

Berlin. Eine hübsche Anekdote aus dem Stadion Niederrhein hat es mal zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Ein Fußballfan einer Gästemannschaft schaute irritiert über die Stadionmauer, sah den Rhein-Herne-Kanal und auf der anderen Seite einen schmalen Fluss. „So klein hab’ ich mir den Rhein nicht vorgestellt“, maulte er und musste sich belehren lassen, dass das Stadion Niederrhein überhaupt nicht am Rhein liegt – sondern an der Emscher.

Bei so viel Aufklärungsbedarf deutscher Fußballfans ist es vielleicht keine schlechte Idee, die Europameisterschaft der „Unter 21-Jährigen“ im kommenden Jahr in kleineren Städten auszutragen. Als Spielorte stehen fest: Mannheim (am Rhein), Mainz (am Rhein), Oberhausen (an der Emscher) und Leverkusen (an der Autobahn).

Im Rahmen der Gruppenauslosung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Frankfurt wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Bestätigung vom europäischen Fußballverband (Uefa) erhalten. So ein bisschen sind sie auch dort überrascht, schließlich hatten sich noch vier andere Länder beworben, aber deren U-21-Mannschaften sind nicht qualifiziert und kommen somit nicht als Austragungsländer in Betracht. Das Turnier soll vom 27. Mai bis 8. Juni 2004 stattfinden.

Die deutsche U-21-Mannschaft wird in der Gruppe B spielen, die in Mainz und Mannheim kickt. Das ist festgelegt, damit sich die Termine dieser Gruppe nicht mit wichtigen DFB-Spielen überschneiden, wie etwa dem Pokalfinale am 29. Mai in Berlin.

Das Pokalfinale ist auch einer der Gründe, warum die EM-Spiele nicht etwa in der Region Berlin stattfinden werden. Die Uefa hat zudem eine Mindestkapazität von 10 000 Zuschauern gefordert. Und: Die Stadien einer Gruppe dürfen hinsichtlich der Fahrzeit nicht weiter als 45 Minuten entfernt sein. Deshalb kann kein Spiel im Rostocker Ostseestadion ausgetragen werden. Und die Region Thüringen/Sachsen-Anhalt kommt nicht in Frage, weil in Jena und Erfurt vor zwei Jahren die Europameisterschaft der Frauen stattfand. „Wir wollen bundesweit immer ein Gleichgewicht halten“, heißt es beim DFB.

Dass die vier ausgewählten Städte in Ballungsgebieten liegen und bis auf Leverkusen keinen Erstligaverein haben, ist den Forderungen der Uefa geschuldet. Die gehe bei den Finanzplanungen von 10 000 Zuschauern im Schnitt aus. „Die Messlatte liegt sehr hoch“, sagt Bernd Barutta, der Teammanager der U 21. Der Etat wird Mitte Februar verabschiedet.

So gering wird dieser nicht ausfallen, schließlich findet nur zwei Jahre später die Fußball-Weltmeisterschaft statt, „und wir wollen gute Werbung im Vorfeld“, sagt Jens Grittner, Sprecher des Organisationskommitees (OK) der WM 2006. An den Schnittstellen innerhalb des DFB werde man kooperieren können, „aber auf keinen Fall finanziell“. In den kommenden Wochen wird die Uefa klären, welcher Fernsehsender die EM-Endrunde überträgt.

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