Sport : An Freiheit gewonnen

Robert Ide über den richtigen Moment für Britta Steffen

Robert Ide

Vier Jahre Leben für vier Hundertstelsekunden Vorsprung. Britta Steffen, das Sensibelchen des deutschen Schwimmsports, hat in der Vorbereitung auf diese Olympischen Spiele alles zurückgestellt für ein einziges Rennen. Nun hat die 24 Jahre junge Berlinerin die Goldmedaille gewonnen. Sie hat den richtigen Moment gefunden in einem Leben, das von der Suche geprägt war. Von der Suche nach sich selbst.

Britta Steffen hat auf der Distanz von 100 Metern all die Konflikte aufgelöst, die sie viele Jahre lang und über zwei Olympische Spiele hinweg begleitet haben – Konflikte mit der Öffentlichkeit und ihrem Übervorbild Franziska van Almsick; mit dem Druck, der von außen auf sie wirkte, und dem Druck, der in ihr pochte. Sie hat sich akribisch gegen diesen Druck gestemmt, alles in ein Rennen gelegt, was Körper, Seele und möglicherweise auch Gesundheit hergeben. Nach dem Finale ihres Lebens kehrt sie als Siegerin zurück nach Hause. Druck hat Britta Steffen nun nicht mehr nötig.

Wie kann es weitergehen in einem jungen Leben, das auf ein einziges Rennen ausgerichtet war? Britta Steffen hat sich die Freiheit erschwommen, nach neuen Momenten zu suchen – Momenten, die sich auch außerhalb eines Schwimmbeckens finden lassen, irgendwann. Hoffentlich nimmt ihr die Öffentlichkeit nicht die Freiheit, die sie gewonnen hat.

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