Sport : An ganz kurzer Leine

Rocchigianis Anwalt darf bestimmen, ob der Boxverband WBC in Berufung gehen kann

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Von Frank Bachner

Berlin. Erfolgreiche Anwälte in den USA fahren dicke Limousinen und wohnen in tollen Villen, man kennt das ja. Erfolgreiche Anwälte in den USA kassieren einen Stundensatz von 500 bis 800 Dollar, da kann man sich schon einiges leisten. Und wenn jemand um 31 Millionen Dollar kämpft, die er aufgrund eines Urteils zahlen soll, dann nimmt er sich verdammt gute Anwälte. Wenn also Jose Sulaiman, der Präsident des Box-Weltverbandes WBC, verkündet, sein Verband arbeite an einer Berufung gegen das Urteil im Fall Graciano Rocchigiani, dann sollte man davon ausgehen, dass er diese Juristen beschäftigt, die 800 Dollar verlangen.

Ende vergangener Woche hatte der Mexikaner die juristische Gegenwehr des WBC angekündigt, aber er hat dabei ein Detail vergessen: Er kann nicht einfach Anwälte anheuern. Denn das Urteil des New Yorker Richters Richard Owen legt fest, dass Rocchigianis Anwälte jede Ausgabe des WBC von mehr als 5000 Dollar genehmigen müssen. „Es ist in der Tat beinahe komisch“, sagte Björn Ziegler von der Berliner Kanzlei Hogan & Hartson Raue, die den Profiboxer vertritt, Ende vergangener Woche. „Jede Ausgabe über 5000 Dollar muss von uns genehmigt werden. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass wir dem WBC untersagen könnten, seine Anwälte zu bezahlen.“

Und Sulaiman war offenbar ziemlich voreilig. Denn bei Hogan & Hartson Raue weiß man noch nichts von der Arbeit an einer Berufung. Der WBC beziehungsweise Sulaiman habe „noch nicht gefragt“, ob er Anwälte an dem Fall arbeiten lassen darf, sagt Björn Ziegler, der mit dem Fall beschäftigt ist. „Wir gehen aber davon aus, dass der WBC entsprechend der gerichtlichen Auflage tatsächlich Mitteilung machen wird.“ Anders gesagt: dass er dann bitten wird, Juristen einschalten zu dürfen. Und damit ist der mächtige WBC-Chef in einer für ihn völlig ungewohnten Rolle. Ein Bittsteller, der von der Gnade seines Gegners abhängig ist. Ob der WBC generell untersagt wird, Anwälte einzuschalten, ist bei Hogan & Hartson Raue noch nicht entschieden. Aber, das deutet Ziegler an, es sehe nicht so aus. Die Kanzlei will nicht in einer rechtlichen Grauzone arbeiten.

Jedenfalls kann Sulaiman derzeit überhaupt keine Berufung einlegen, weil das Urteil noch nicht ausgefertigt worden ist. Erst wenn das passiert ist, kann der WBC reagieren. Ein Berufungsgericht mit drei Richtern entschiede dann, ob eine neue Verhandlung stattfindet. „Das dauert etwa neun bis zwölf Monate“, sagt Ziegler.

Wenn die Richter zustimmen, „wird der Prozess zurückverwiesen an Judge Owen, der neu zu entscheiden hat“ (Ziegler). Ob der WBC dann bessere Karten haben wird, hängt von der Begründung der Richter ab. „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Sachverhalt detailliert aufgeklärt worden ist und die Jury die gleichen Entscheidungsgrundlage haben wird. Bei dieser Sachlage spricht nichts für den WBC“, sagt Ziegler. Und der WBC hat kaum Möglichkeiten, heimlich Geld verschwinden zu lassen. „Wir haben bereits jetzt die Möglichkeit, jederzeit Einsicht in die Konten zu verlangen“, sagt Ziegler.

Rocchigiani kann offenbar erst mal gelassen abwarten. Er hat keine Ausgaben für seine Anwälte. „Eine Regelung, dass die Anwälte zuerst ausgezahlt werden müssen, gibt es nicht, auch nicht für unsere New Yorker Kollegen“, sagte Ziegler. In New York vertraten zwei US-Prozessanwälte den Ex-Weltmeister vor Gericht. Ein außergerichtlicher Vergleich ist aber noch nicht abgehakt. Die WBC jammert ja bereits über drohenden Konkurs. „Aber ein Vergleichsangebot muss zunächst von der Gegenseite ausgehen“, sagt Ziegler. Doch Rocchigiani hat in seiner Zelle erst mal andere Sorgen. Am 17. Oktober beginnt sein nächster Prozess: Widerstand gegen die Staatsgewalt.

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