Sport : An Träume glauben

Die anderen Golferinnen sind keine Gegner: Annika Sörenstam will als Erste den Grand Slam der Damen gewinnen und bei den Herren lernen

Petra Himmel

Berlin - Es gibt diese Geschichte von dem Mädchen mit dem Pferdeschwanz, das in langen schwedischen Sommernächten in Stockholm auf der Driving Range stand und Bälle schlug. Tausende. Das Mädchen hatte Träume – von der Nationalmannschaft, von der Profikarriere, von der US-Damentour, vom ersten Sieg. Das Mädchen hat diese Träume allesamt Wirklichkeit werden lassen. Inzwischen ist Annika Sörenstam 34 Jahre alt. Und Träume hat sie noch immer. Manche der Kolleginnen würde sie als irreales Wunschdenken abtun. Die Tatsache aber, dass Annika Sörenstam an die Verwirklichung ihrer Träume glaubt, hat sie zur dominantesten Spielerin im Damengolf werden lassen. Und zur Ersten, von der man in diesem Jahr den Grand Slam erwartet.

Noch nie hat eine Spielerin alle vier Major-Turniere im Damengolf gewonnen. Zuletzt sind ihre Vorgängerinnen Pat Bradley und Mickey Wright daran gescheitert. Beiden war der Sieg bei den ersten beiden Majors der Saison gelungen, vier in Folge aber schafften sie nicht. Im Falle von Pat Bradley ist das schon 19 Jahre her – Majors in Serie gewinnt man eben nicht so leicht. Und doch glauben alle daran, dass Annika Sörenstam in dieser Saison das scheinbar Unmögliche gelingt. „Es ist ein ständiger Wettkampf um den zweiten Platz. Es ist fast so, als wenn sie mit uns allen spielen würde“, hat die Britin Laura Davies am Wochenende nach dem Sieg der Schwedin bei dem Major-Turnier LPGA Championship bilanziert. Und der Chef der Damentour, Ty Votaw, hat hinzugefügt: „Wir beobachten gerade eine der größten Leistungen eines Athleten im gesamten Sport.“

Um ihr erklärtes Ziel Grand Slam zu erreichen, schreitet Annika Sörenstam schnellen Schrittes über die Golfplätze dieser Welt und feiert Sieg um Sieg. Sechs von acht Turnieren in diesem Jahr hat sie gewonnen, in ihrer Karriere hat sie bereits neun Major-Siege verbucht – ebenso viele wie Tiger Woods. Ihre Dominanz ist der seinen während der Jahre 2000 und 2001 vergleichbar, wahrscheinlich gar noch ausgeprägter. Für den Grand Slam fehlen ihr noch der Triumph bei den US Open und den British Open.

Ihr bestes Spiel noch besser werden zu lassen, das allein sei ihr Ziel, hatte die Schwedin vor zwei Jahren erklärt, als sie als erste Frau beim Herrenturnier Bank of America Colonial antrat und für riesigen Medienaufruhr sorgte. Ihr Spielniveau auf der Damentour wollte sie anheben, von den Männern lernen.

Die einzige Frau, die ihr in näherer Zukunft Paroli bieten könnte, sucht ebenfalls schon den Vergleich mit Männern. Michelle Wie, 15-jähriges Wunderkind aus Hawaii und eigentlich noch Amateurin, wurde am Sonntag bei der LPGA Championship Zweite. Auch sie träumt einen Traum, an den keiner außer ihr glaubt: die Teilnahme beim US Masters der Herren. Die Einzige, die ihr wohl sagen würde, der Traum lasse sich verwirklichen, heißt Annika Sörenstam.

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