Ana Ivanovic : Wider den schönen Schein

Ana Ivanovic will nicht nur gut aussehen, sondern endlich auch wieder gut Tennis spielen. Doch die Erfolgserlebnisse bleiben aus.

Petra Philippsen[London]

Dem Damentennis geht es nicht so richtig gut. Das sportliche Niveau sinkt und es fehlen die Glamourgirls, die mit ein bisschen schönem Schein davon ablenken. Die beiden Aushängeschilder der WTA befinden sich seit einem Jahr im sportlichen Sinkflug. Die Schulterverletzung von Maria Scharapowa war dabei Pech, doch zumindest ist die blonde Russin nach neunmonatiger Pause gerade auf die Tour zurückgekehrt. Schwerer wiegt da schon die Talfahrt von Ana Ivanovic, die stets eine attraktive Verbindung zwischen Erfolg und Sexappeal herstellte, und ihr Konzept verkaufte sich gut. Doch nun ringt die 21-Jährige um ihre alte Form. „Ich verstehe einfach nicht, was mit meinem Spiel passiert ist, und warum es nicht zurückkommt“, sagt Ivanovic. Bei ihrer Suche wechselte die Serbin in den letzten Monaten ihre Trainer so oft wie ihre modischen Outfits auf dem Platz. „Meine Karriere, mein Ranking - alles wurde nur besser“, sagt Ivanovic, „und ich dachte, das geht jetzt immer so weiter. Aber das tat es nicht.“

Ihr sportlicher Abstieg begann genau vor einem Jahr, als sie gerade mit ihrem Sieg bei den French Open den vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte und die Nummer eins der Welt wurde. Ihre blamable Niederlage in der dritten Runde von Wimbledon gegen die damals an Position 133 geführte Chinesin Jie Zheng war der erste Rückschlag, den sie bei den US Open mit einer ebenso peinlichen Pleite gegen die Französin Julie Coin, der 188. der Rangliste, wiederholte.

Auch in dieser Saison wartet sie vergeblich auf Erfolgserlebnisse. Nach ihrem Drittrundenaus bei den Australian Open ging Ivanovic eine Woche zum Surfen und wollte von Tennis nichts mehr sehen und hören. Geholfen hat ihr die kurze Auszeit nicht. „ Ich zweifle nicht daran, dass ich es wieder schaffen kann“, sagt Ivanovic trotzig, aber es klingt nach Durchhalteparolen.

Ivanovic ist nur noch die Nummer 13 der Weltrangliste – und damit zwei Ränge schlechter als ihre Platzierung in jener Weltrangliste, die ein großes Hochglanzmagazin jährlich herausgibt, wenn es gilt, die Frauen mit dem meisten Sexappeal zu küren. Ausgerechnet Ivanovic droht nun in die Fußstapfen von Anna Kournikowa zu treten. „Darüber mache ich mir keine Gedanken“, sagt sie. Trotzdem ist die Art und Weise, wie Ivanovic inzwischen ihre Matches verliert, alarmierend. Wie Porzellan zerbreche ihr Spiel unter Druck, bemängelten Kritiker, ihre Nerven hat Ivanovic nur noch selten im Griff.

In Wimbledon zumindest hielt sie sich bisher gut, musste in der ersten Runde allerdings zwei Matchbälle gegen die tschechische Debütantin Lucie Hradecka abwehren. Dass sich Ivanovic mit 8:6 im dritten Durchgang noch rettete, war zum Großteil der Unerfahrenheit ihrer Gegnerin geschuldet. Im darauffolgenden Match gegen die Italienerin Sara Errani bot sich ein ähnliches Bild. Überzeugt hatte Ivanovic einmal mehr nicht.

Dass sie nun in der dritten Runde eine erneute Schmach abwendete, wertete Ivanovic als erstes Zeichen für einen Aufwärtstrend. Dabei zählt für die French-Open-Halbfinalistin Samantha Stosur Rasen eben nicht zum bevorzugten Untergrund und dennoch geriet Ivanovic zwischenzeitlich ins Straucheln, bevor sie mit 7:5 und 6:2 gewann. „Ich fühle, dass ich diese Woche einen großen Schritt gemacht habe“, sagt Ivanovic. Nun muss der nächste folgen. Im Achtelfinale muss sie sich mit der fünfmaligen Wimbledon-Siegerin Venus Williams messen.

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