Analyse : Bremen verliert auch bei Löw

Werders Nationalspieler können sich im Pokalfinale nicht für die Weltmeisterschaft empfehlen – insbesondere Abwehrspieler Per Mertesacker fällt mit Fehlern auf.

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Verhängnisvolle Szene: Hier springt Per Mertesacker der Ball an die Hand. Danach gab es Elfmeter für die Bayern - der Anfang vom Ende der Bremer Titelträume.
Verhängnisvolle Szene: Hier springt Per Mertesacker der Ball an die Hand. Danach gab es Elfmeter für die Bayern - der Anfang vom...Foto: dpa

Berlin - Wenn ein Torhüter sich einen perfekten Einstieg in ein Fußballspiel wünschen dürfte, dann würde er vermutlich so ausfallen wie gestern für Tim Wiese. Im Pokalfinale zwischen seinen Bremern und dem FC Bayern München waren gerade zwei Minuten gespielt, da setzte Arjen Robben zum ersten Mal zum Schuss an. Der Ball kam mittig, etwa in Höhe der Latte aufs Bremer Tor. Perfekt für einen Torhüter also. Wiese streckte sich und wischte den Ball über die Latte. Hinter ihm, in der Werder-Kurve, ertönten zum ersten Mal „Wiese! Wiese!“-Rufe.

Im Finale von Berlin ging es gestern nicht nur um einen goldenen Pokal, ein wenig wurde auch um den Platz im deutschen WM-Tor gespielt: Tim Wiese gegen Jörg Butt. Der Bremer war insofern im Vorteil, als er weit mehr beschäftigt wurde. Doch auch Butt hatte vor und nach der Pause je eine starke Szene. Bei der ersten Chance der Bremer rettete er gleich zweimal prächtig: erst gegen Claudio Pizarro, dann gegen den Nachschuss von Torsten Frings. In der zweiten Hälfte lenkte er einen Kopfball von Pizarro zur Ecke.

Auch im Hotel „Rocco Forte“ im Städtchen Sciacca auf Sizilien wurde das Geschehen im Olympiastadion gestern aufmerksam verfolgt. Bei der deutschen Nationalmannschaft stand ein gemeinsamer Fernsehabend auf dem Programm: Pokalfinale in Berlin. Von den 27 Spielern, die Bundestrainer Joachim Löw in sein vorläufiges WM-Aufgebot berufen hat, stellen die beiden Pokalfinalisten elf. Acht standen gestern beim Anpfiff auf dem Feld. Marko Marin und die beiden Münchner Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez saßen zunächst auf der Bank. Während Klose immerhin noch eingewechselt wurde, durfte Gomez gar nicht mitspielen.

Butt hat nur wenig zu tun

Bastian Schweinsteiger muss so etwas nicht fürchten, weder bei den Bayern noch in der Nationalmannschaft. Er gilt schon jetzt als einer der Schlüsselspieler für das Gelingen des deutschen WM-Projekts. Auch gegen Bremen zeigte Schweinsteiger, was ihn für die Rolle im defensiven Mittelfeld prädestiniert: Er hat kein Problem damit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, besitzt ein gutes Auge, ist fleißig und stets auf der Höhe des Geschehens. Eher ungewöhnlich war allerdings, dass ihm gestern im Spielaufbau einige Patzer unterliefen – und dass er am Ende sogar noch als Torschütze auffiel.

An Engagement steht Thomas Müller seinem Kollegen Schweinsteiger in nichts nach. Laufen macht ihm offensichtlich einfach Spaß, aber auch spielerisch hat Müller einiges zu bieten. Mit einem klugen Rückpass leitete er nach einer halben Stunde eine gute Schussgelegenheit für Arjen Robben ein. Der junge Offensivspieler hatte aber auch selbst drei gute Chancen.

Als ungelöst gilt in der Nationalmannschaft noch die Frage, wer die Außenpositionen der Viererkette besetzen soll. Warum nicht die Flügelzange des Double-Gewinners, Philipp Lahm (rechts) und Holger Badstuber (links), die ihre Aufgabe auch gestern ohne Beanstandungen erledigten? Bei Lahm ist das keine Überraschung, und der junge Badstuber besitzt eine altersuntypische Gelassenheit.

Die Nationalspieler der Bremer konnten sich gestern weit weniger empfehlen als ihre Kollegen auf Münchner Seite. Per Mertesacker verursachte mit seinem Handspiel den Elfmeter zum 0:1; vor dem 2:0 der Bayern köpfte der Innenverteidiger den Ball über Bande genau vor die Füße des Torschützen Ivica Olic. Mesut Özil musste in der ersten Halbzeit als hängende Spitze spielen und fand sich in der Rolle gar nicht zurecht. Das Zusammenspiel mit Pizarro funktionierte nicht, Özil fand nur selten den richtigen Laufweg. Wenn die Bremer am Montag in Sciacca eintreffen, werden sie wohl erst mal ein wenig Trost benötigen. Die Zusammenkunft mit den Bayern bleibt ihnen immerhin erspart. Die müssen in einer Woche, im Finale der Champions League, erst noch ihren dritten Titel holen.

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