Analyse : Deutsche Schwimmer: Am Wasser vorbei

Das Wasser meint es nach wie vor nicht gut mit den deutschen Schwimmern, es lässt sich von den anderen offenbar besser verdrängen. Olympia-Reporter Friedhard Teuffel analysiert, warum die deutschen Schwimmer so enttäuschen.

Friedhard Teuffel[Peking]

Das Wasser meint es nach wie vor nicht gut mit den deutschen Schwimmern, es lässt sich von den anderen offenbar besser verdrängen. Die Diskussion um das enttäuschende Abschneiden der Deutschen hat jedenfalls wieder die Ebene des Mystischen erreicht, auf der sie schon vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen von Athen angekommen war, als Antje Buschschulte fassungslos sagte: „Ich habe das Wasser einfach nicht zu greifen bekommen.“ Diesmal war es Jörg Bügner, Trainer des ausgeschiedenen Rückenschwimmers Helge Meeuw, der sagte: „Helge hat am Wasser vorbeigezogen.“

Mit diesem chinesischen Wasser kamen auch am dritten Tag der olympischen Schwimmwettkämpfe die meisten bestens zurecht, es gab wieder Weltrekorde – und es gab wieder deutsche Schwimmer, die vorzeitig ausschieden. Annika Lurz, im vergangenen Jahr noch Weltmeisterschaftszweite über 200 Meter Freistil, durfte als 22. der Vorläufe nicht ins Halbfinale, ebenso wenig Petra Dallmann als 24. Sonja Schober kam in der Auswertung der Vorläufe über 200 Meter Lagen auf Platz 34.

Nur Paul Biedermann erreichte ein Finale, mit der fünftbesten Zeit über 200 Meter Freistil zog er in den Endlauf ein.

Jetzt doch eine Anzugsdiskussion?

Aus dem Nebel des Mystischen tauchen jedoch allmählich erste Erklärungsansätze auf. Der Schwimmanzug der anderen könnte ein Vorteil sein, die Amerikaner treten beispielsweise mit Speedo an, die Deutschen mit Adidas. Sportdirektor Örjan Madsen hatte allerdings unmittelbar vor Beginn der Wettkämpfe einen Nachteil ausgeschlossen. „Wir haben keine Anzugsdiskussion, sondern eine Anzugslösung.“ Der Norweger hat andere Ursachen im Auge. Etwa die, dass die deutschen Schwimmer die Konkurrenz unterschätzt haben und sie nun verkrampfen, eingeschüchtert von lauter Höchstleistungen der anderen. Die Bundestrainer hätten oft genug darauf hingewiesen, dass die Schwimmer es bei Olympia mit ganz anderen Zeiten zu tun bekämen, dass sie anderen gleich auf und davon ziehen könnten. „Es ist offenbar schwierig für junge Menschen zu begreifen, dass das, was wir ihnen sagen, wahr ist“, sagte Madsen.

Die anderen Länder, vor allem die Amerikaner und Australier machten jedenfalls einiges anders, und das müsse nun der Maßstab sein. „Wir müssen neugieriger sein, uns auch von unserer Kultur und Tradition lösen, nicht nur an der Spitze, sondern auch an der Basis“, sagte Madsen. Zwei Dinge sind ihm aufgefallen, die die anderen seiner Mannschaft voraushaben. „Sie machen beim Krafttraining neuartige Dinge.“ Und sie schickten ihre Schwimmer viel mehr in harte Wettkämpfe, um Erfahrungen zu sammeln. Die Deutschen hatten dagegen in diesem Jahr fast alle die Europameisterschaft ausgelassen, um sich ungestört auf die Olympischen Spiele vorbereiten zu können.

Den Anspruch an seine Athleten hat Madsen nicht verändert. „Wir erwarten nicht, dass sie fliegen. Sie sollen nur einfach an ihre Bestzeiten herankommen.“ Viele Medaillenchancen bleiben den deutschen Schwimmern nicht mehr, es ist nun vor allem Britta Steffen über 50 und 100 Meter Freistil, die noch nach ganz vorne kommen kann. Doch ob es der sensiblen Schwimmerin helfen wird, die Bilanz der deutschen Schwimmer retten zu müssen?

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