Analyse : Deutscher Aufschwung in der zweiten Reihe

Das Istaf im Olympiastadion hat es gezeigt: Die deutschen Sportler kommen langsam in Form für die WM im August in Berlin.

Frank Bachner

Gerhard Janetzky schweigt natürlich, das war nicht anders zu erwarten. Ariane Friedrich erhält einen Sonderbonus; 2,06 Meter überquert, Deutscher Rekord im Hochsprung, vor allem aber ein Sieg über Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien), das ist Grund genug für einen Zuschlag. Nur wie hoch der ist, das sagt Istaf-Chef Janetzky nicht. Aber eigentlich geht es Friedrich gar nicht so sehr ums Geld. Mit dem Sieg, sagt sie, „wollte ich ein Statement für Berlin setzen. Ich wollte zeigen, dass die deutsche Leichtathletik im Aufschwung ist“.

Ist sie das? Zwei Monate vor den Weltmeisterschaften in Berlin? Nach dem WM-Test Istaf? Alles eine Frage der Betrachtungsweise. Wer nur auf möglichst viele WM-Medaillen stiert, für den ist das Istaf wenig hilfreich. Klar, Friedrich ist eine Medaillenkandidatin, aber Vize- Weltmeister Robert Harting hat wegen seines verletzten Rückens Mühe, den Diskus weiter als 67 Meter zu werfen, und Nadine Kleinert, die Olympiazweite von 2004, wuchtet die Kugel nicht konstant auf gute Weiten. Sebastian Bayer übertraf im Weitsprung sogar nicht mal die Acht- Meter-Marke. Enttäuschend, keine Frage. Noch hat er nicht mal die WM- Norm. Andererseits wäre es sowieso unrealistisch, ihn aufgrund seines 8,71-Meter-Sensationssprungs bei der Hallen-EM als WM-Medaillenkandidat zu handeln. Wenn er sich bei 8,15 Meter stabilisiert, ist das schon mal eine Leistung.

Der Aufschwung der deutschen Leichtathletik vollzog sich eher im Schatten der Istaf-Stars. Stefan Eberhardt und Carsten Schlangen unterboten, jeweils mit persönlicher Bestzeit, über 1500 Meter klar die WM-Norm, Anna Battke steigerte ihre persönliche Bestleistung im Stabhochsprung um 13 Zentimeter auf 4,68 Meter, und Mark Frank schleuderte den Speer (82,97 Meter) weit über die WM-Norm. Medaillenträchtig sind diese Leistungen alle nicht, aber sie zeigen einen Trend nach oben. Und in einer Zeit, in der jede Spitzenleistung kritisch hinterfragt werden muss, sind die Plätze fünf bis acht bei einer WM durchaus eine zufriedenstellende Bilanz. Außerdem sind ein paar deutsche Medaillenkandidaten beim Istaf gar nicht gestartet. Die Speerwerferin Christina Obergföll zum Beispiel; die hat in Halle 68,40 Meter erreicht. Auch einer der Zehnkämpfer kann in Medaillennähe kommen.

Und was den Nachwuchs betrifft: Am vergangenen Samstag stellte Kugelstoßer David Storl aus Chemnitz mit 22,34 Metern einen neuen U-20-Weltrekord auf – die alte Marke verbesserte er gleich um 38 Zentimeter. Frank Bachner

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