Analyse : Hertha BSC: Nur zu Hause siegen sie nicht

Herthas Heimschwäche ist der Schlüssel zum Abstieg. Zwei Arten von Unfähigkeit spielen bei einer derart desolaten Vorstellung eine Rolle.

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Immer kurz vor dem Anpfiff zu Spielen von Hertha BSC wird im Berliner Olympiastadion die Scheibe des Barden Frank Zander eingelegt, der auf die Melodie von Rod Stewarts „Sailing“ so eine Art Hertha-Hymne gebastelt hat: „Nur nach Hause gehen wir nicht“, singt der Chor der Ostkurve. Das Liedchen ist ziemlich eingängig, was allerdings schon vor Zanders Dazutun so war, und außerdem ist die Zeile etwas aus der Zeit gefallen. In Anbetracht der eklatanten Heimschwäche sollten sie die Fans umdichten in: „Nur zu Hause siegen wir nicht.“

Inzwischen ist es auch egal, was im Olympiastadion gesungen wird. Hertha wird eine Klasse tiefer rutschen. Vielleicht ändert sich in der Zweiten Liga das mit der Heimschwäche, nur zu sicher sollte sich da niemand sein. So ein Heimkomplex ist schwer erklärbar. Man kann nur hoffen, dass er so überraschend, wie er sich eingeschlichen hat, auch wieder verschwinden wird.

Herthas Heimschwäche ist der Schlüssel zum Abstieg. Fast 45 Jahre hielt der Rekord von Tasmania Berlin, der schlechtesten Bundesligamannschaft aller Zeiten. Tasmania hatte in der Spielzeit 1965/66 ein historisch anmutendes Kunststück fertig gebracht und war 15 Heimspiele in Serie ohne Sieg geblieben. Diesen als ewig geltenden Rekord hat Hertha mit dem 0:1 gegen Schalke 04 am Wochenende eingestellt. Ein ebensolches Kunststück, mindestens. Nun muss Herthas Mannschaft aufpassen, dass sie nicht noch einen draufsetzt. Tasmania hatte seinerzeit das erste Saisonheimspiel gewonnen und dann noch das letzte. Das muss Hertha erst noch schaffen, am letzten Spieltag kommt der FC Bayern nach Berlin.

Nach 16 Saison-Heimspielen steht für Hertha lediglich ein Sieg zu Buche, erzielt gleich am ersten Spieltag der Saison gegen Hannover. Und das war auch noch ein glücklicher Sieg. In der Vorsaison, in der es Hertha fast in die Champions League gebracht hätte, gingen nur zwei der 17 Heimspiele verloren. Auch wenn Herthas Spieler manches Mal gar nicht wussten, warum sie gerade gewonnen hatten – sie holten 39 Punkte im Olympiastadion. Diese Ausbeute würde fürs gesicherte Mittelfeld langen.

Auswärts dagegen ist Hertha etwas erfolgreicher. 2010 konnte der Klub viermal in der Fremde gewinnen. Das ist nicht übermäßig gut, macht schon gar nicht die Heimschwäche wett, aber es gibt in der Liga immerhin vier Teams, die in dieser Hinsicht schlechter sind als Hertha.

Die Tabelle spricht nach 32 der 34 Spieltage eine deutliche Sprache. Herthas Trainer Funkel hat gestern gesagt: „Im Fußball ist nicht immer alles zu erklären.“ Stimmt, eine solche Schwäche über diesen langen Zeitraum hat zwangsläufig etwas mit Unfähigkeit zu tun – mit fußballerischer und nervlicher Unfähigkeit.

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