Analyse : Taktikschule: Die Italiener wollen so spielen wie die Deutschen

Am Sonntagabend spielen Spanien und Italien gegeneinander (20.45 Uhr/ZDF). Unser Experte Mathias Klappenbach hat sich das System der Italiener angeschaut.

Mathias Klappenbach
Italiener Taktik Grafik: Bartel / Tagesspiegel
Ins Zentrum. Toni ist vorn der entscheidende Mann.Grafik: Bartel / Tagesspiegel

Modernste Computersysteme erfassen die statistischen Daten bei den Spielen dieser Europameisterschaft, mit Andrea Pirlo kommen aber auch sie nicht mit. Laut den offiziellen Daten der Uefa, in denen genau festgehalten wird, wer wie viele Pässe zu wem spielt, hat Andrea Pirlo gegen Frankreich einen Pass auf Andrea Pirlo gespielt. Wahrscheinlich – darüber sagt die Statistik nämlich nichts – kam er zentimetergenau auf den Fuß, und Pirlo befand sich sofort in einer guten Schussposition oder hatte genug Raum, um in Ruhe zu flanken.

So ist es meistens, wenn Pirlo einen seiner weiten Pässe spielt, und wenn außen keiner freisteht, ist in der Mitte immer noch Luca Toni, der solche Anspiele gut gegen Verteidiger behaupten kann und oft gleich selbst zum Abschluss kommt. Gegen Spanien ist Pirlo aber gesperrt, und das ohnehin riesige Problem, ihn zu ersetzen, wird dadurch noch größer, dass im Mittelfeld auch Gennaro Gattuso fehlt. Der fängt üblicherweise viele Angriffe ab.

Diese Aufgabe kommt nun den anderen italienischen Mittelfeldspielern zu, die gegen die spanischen Kurzpasskünstler damit mehr als genug zu tun haben dürften. In Italien wird auf ein ähnliches Spiel wie das der Deutschen gegen Portugal gehofft. Wer aber außer der Defensivarbeit auch das Spiel aufbauen soll, ist nicht ersichtlich. In Frage kommt dafür am ehesten noch Daniele De Rossi, der auf den Flügeln Mauro Camoranesi und Antonio Cassano einsetzen soll. Irgendwoher muss ja Luca Toni seine Flanken bekommen, damit er das lang ersehnte erste Turniertor schießen kann. Falls De Rossi aber gegen Andres Iniesta, Xavi und David Silva viel in der Abwehr tun muss, wird es schwierig für Italien, weil zwischen defensivem Mittelfeld und Angriff ein Loch klaffen könnte, das nur mit einem genauen Pass von Andrea Pirlo zu überbrücken wäre.

0 Kommentare

Neuester Kommentar